Bier-Entdeckungsreise: Regelmäßig mäßig bedeutet: „Saugsund“

Thorsten Jauch ist nach eignener Aussage „seit 45 Jahren mit wenig anderem als Bier beschäftigt“. Die brauhandwerklichen Geschicke der Hirsch-Brauerei Honer lenkt er seit 25 Jahren. Die Biere aus der Hirsch-Brauerei erhalten regelmäßig höchste Prämierungen der DLG und beim European Beer Award.

Die Brauer mit Leib und Seele
Qualitätsgarantien für bekömmliches Bier

Wann ist Bier unbekömmlich? A) wenn man zuviel in kurzer Zeit trinkt, b) wenn es verdirbt, c) wenn man sich ärgert, weil man den Begriff „bekömmlich“ bei der Bewerbung von Bier nicht verwenden darf. In den zweifelhaften Genuss von c) ist der Brauer Gottfried Härle aufgrund seiner Gelassenheit glücklicherweise nicht gekommen, aber der Rechtsstreit durch alle Instanzen darüber, ob Bier bekömmlich genannt werden darf oder nicht, hat ihn unfreiwillig zum bekanntesten Brauer Deutschlands gemacht hat.

Gottfried Härle Brauer Gottfried Härle bei der Bierparade auf der Zentralveranstaltung „Bier 500“ der Brauer mit Leib und Seele

Die Aussichten, den Prozess zu gewinnen, sind nicht besonders gut, denn laut EU-Verordnung suggeriert „bekömmlich“ medizinische Wirkung, was in der Bewerbung alkoholhaltiger Getränke verboten ist. Die Brauerei Härle gehört wie die Hirsch-Brauerei Honer und sechs weitere zur Vereinigung „Brauer mit Leib und Seele“, die sich zu Unabhängigkeit, Handwerk, Vielfalt, Regionalität, kontrollierter Ökologie und Förderung der Bierkultur verpflichtet haben. Zur Frage, welche gesundheitliche Auswirkungen Bier hat und welche Aspekte alkoholarme Biere ausmachen, haben wir mit Chefbrauer Thorsten Jauch von der Hirsch-Brauerei Wurmlingen gesprochen.

Alkoholarmes aus Brauereien

Vollbiere mit rund 5% Volumen-Alkohol sind und waren nie die einzigen Braukreationen, die in Brauereien hergestellt wurden. Leichtbiere waren früher üblich, gerieten dann aber in Vergessenheit. Seit rund zehn Jahren erleben sie insbesondere unter den Weizenbieren eine Renaissance. Das selbe gilt für alkoholfreie Biere mit max. 0,5%, die auf verändertes Konsumverhalten eingehen. Was hat es mit diesen Bieren auf sich? Und welche medizinischen Aspekte spielen tatsächlich eine Rolle beim Biertrinken? Thorsten Jauch, Chef-Brauer in der Hirsch-Brauerei in Wurmlingen, hat uns Rede und Antwort gestanden.

Biergarten Der Biergarten in der Hirsch-Brauerei in Wurmlingen

„Bier macht schlau und schön“

Gleich zu Beginn steigt Thorsten Jauch bei einem Aspekt ein, der für die meisten Menschen der wichtigste ist: die Gesundheit. Thorsten Jauch berichtet von interdisziplinären Forschungen von Ärzten, Psychologen und Biologen. Forschungsreihen mit 3000 Probanden über drei Jahre haben das eine oder andere Überraschende Ergebnis hervorgebracht. Im rechten Maß wird Bier zunehmend als gesundheitsfördernd eingestuft. „Man hat festgestellt, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 40 Prozent sinken, wenn man regelmäßig mäßig Bier trinkt.“ Auch als „Demenz-Blocker“ wurde Bier identifiziert, weil es das Gehirn anregt und die beruhigende Wirkung des Hopfens steht außer Frage. Zu erforschen gibt es dennoch nach wie vor viel, denn die rund 1000 Inhaltsstoffe im Bier und ihr Zusammenspiel analysiert man nicht mal ebenso. Für Thorsten Jauch steht dennoch fest: „Bier macht schlau und schön“.

Wie entsteht alkoholfreies Bier?

Die Behauptung, alkoholfreies Bier sei grundsätzlich gesünder, könnte also als Ideologie floppen. Dennoch werden sie immer beliebter und man fragt sich vielleicht, ob das überhaupt Bier ist, schließlich gehört das Vergären der gehopften Maische zum Bier wie der Punkt zum i. Thorsten Jauch erklärt, dass es grundsätzlich zwei Verfahren gibt, um alkoholfreies Bier herzustellen. Beim einen entzieht man einem Vollbier den Alkohol, beim zweiten wird der Gärprozess vor der Entstehung von Alkohol unterbrochen. In der Hirsch-Brauerei Honer wird das zweite Verfahren angewendet, erzählt Thorsten Jauch. Dann ist aber außer dem Hinweis, dass auch die alkoholarmen Biere nach dem Reinheitsgebot hergestellt werden, schon Schluss. Ab hier schweigt des Brauers Höflichkeit zum Schutze der eigenen Rezepturen. „Ich bin froh, dass es das Reinheitsgebot gibt“, bekennt Thorsten Jauch, „Reinheitsgebot ist Verbraucherschutz“. Aber es steht fest: alkoholfreies Bier ist auch Bier. Thorsten Jauch empfiehlt bei einem Wirtshausbesuch erst einmal ein alkoholfreies Bier gegen den großen Durst zu trinken und erst anschließend alkoholhaltige Biere zu bestellen.

Bei einem Hirsch-Brauseminar bekommt man Einblicke in das Brauhandwerk

„Die Drinkability muss stimmen“

Zum Wohlfühlen gehört aber auch die Geselligkeit. Bei Thorsten Jauch merkt man das schon beim Einschenken. Ruhe und Fröhlichkeit ziehen ein. Die Hirsch-Brauerei Honer engagiert sich stark in der Region, sei es für die regionale Gastronomie, die Vereine oder den Tourismus. Denn jenseits von Chemie und Physiologie sind ganz andere Dinge das eigentlich Wichtigste am Bier: seine Kultur und die Liebe zum Leben.

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