Gruppe um Thomas Bareiß vor Staufenbergschloss Laulingen Tourismus-Gipfel: einmalige Landschaften, kulturelles Erbe und genussreiche Region

Mittlerweile zum dritten Mal kamen auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß die Tourismus-Vertreter aus seinem Wahlkreis zusammen, um die aktuellen Entwicklungen im Reisegewerbe zu diskutieren. Thomas Bareiß betonte, der Tourismus-Gipfel sei mittlerweile „ein besonderes Ereignis, das mir viel bedeutet, weil ich hier wertvollen Input von den Akteuren im Tourismus erhalte und wir so die Region besser gestalten können.“ Gastredner war Minister Guido Wolf MdL, der auf die Besonderheiten der Region und die Rolle des Tourismus im Land Baden-Württemberg einging.

Albstadt: Hotspot mit Kleinodien

Die Vertreter nutzten das Treffen erneut, um sich auch Highlights der Region anzusehen. Gastgeber Albstadt steht hier insbesondere mit seinen Premiumwanderwegen Traufgänge, der Lage am Albsteig (HW1), seinem Bikepark und als Mountain Bike Weltcup-Ort mitsamt der Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2020 als Top-Hotspot auf der schwäbischen Alb da. In Albstadt finden sich aber auch Kleinodien wie das Stauffenberg-Schloss. Hier sind die musikhistorische Sammlung der Stadt und die Gedenkstätte für Claus Schenk Graf von Stauffenberg untergebracht, dessen Abkehr vom Nationalspzialismus und seine Beteiligung am misslungenen Staatsstreich vom 20. Juli 1944 bis heute hohe Symbolkraft für den Weg in ein freies Deutschland hat. Das Lautlinger Schloss war der Sommersitz der Familie.

Zufall – Statistik – Tradition

Als Dauergast konnte die Konferenz den tourismuspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Klaus Brähmig MdB, begrüßen. In seinem Statement verwies er trotz der landeshoheitlichen Aufgaben im Tourismus auf die bundespolitische Relevanz in der Gesetzgebung: „Wir sollten den Tourismus durch eine Gesetzgebung fördern, welche die notwendigen Freiheiten regelt und zugleich entbürokratisiert.“ Dies lässt in Hinblick auf die neue Regierungsperiode nach der Wahl im September aufhorchen. Den Tourismus-Gipfel selbst stufte er mit dem dritten Treffen entsprechend ein: „Beim ersten Mal ist es Zufall, beim zweiten Mal Statistik, beim dritten Mal Tradition.“

Stauffenberg-Gedenkstätte Die Gedenkstätte für Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Familie

Tourismus-Minister Guido Wolf: „Über den Tellerrand hinaus denken“

Justizminister Guido Wolf, der im Land Baden-Württemberg auch die Bereiche Europa und Tourismus vertritt und als ehemaliger Landrat in Tuttlingen die Region und touristischen Bedingungen kennt, skizzierte die steigenden Zahlen und die Maßnahmen im harten Wirtschaftsfaktor Tourismus seitens des Landes. Die ökonomische Bedeutung lässt sich leicht ablesen: die Branche zählt mehr Beschäftigte als die Automobilindustrie, das Knowhow ist nicht exportierbar und durch die Vielfalt der Player in Verwaltung, Marketingorganisationen, Gastgewerbe, Touristik, Medien und Naturschutz geprägt. Entsprechend gefordert sind die Beteiligten, so Guido Wolf: „Wir müssen in gemeinsamen Destinationen über den Tellerrand hinaus denken und die Vermarktung an den Gästen ausrichten.“ Die Südwestalb bis nach Oberschwaben hat ihre Stärken in der attraktiven Geografie und im kulturellen Erbe. „Bewundern und Bewandern“ lautet demnach eine Devise für das Wanderrefugium mit seinen zahlreichen Qualitätswanderwegen.

Minister Guido Wolf Tourismus-Minister Guido Wolf MdL zwischen Thomas Bareiß MdB (re.) und Klaus Brähmig MdB

Der Weg in die Zukunft: Digitalisierung, Barrierefreiheit, Nachhaltigkeit

Der Ausbau der touristischen Infrastruktur wird in den nächsten Jahren bestimmt sein durch „die Themen Digitalisierung, Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit“, so Guido Wolf. Entsprechend sind die Finanzierungsprogramme des Landes aufgestellt. Davon profitieren auch die Einheimischen, denn Tourismus liefert mit der Erhöhung des Freizeitwertes der Region auch einen wichtigen Baustein im ländlichen Raum, um Fachkräftemangel und Landflucht zu überwinden.

Katastrophenszenario Gastronomie?

Zugleich forderte Guido Wolf den Erhalt der Wirtshäuser als Kulturgut. Die Gastronomien leiden unter vielfältigen schwierigen Bedingungen: akuter Fachkräftemangel während der Saison, Einschränkungen durch das Arbeitszeitgesetz, unmäßige Bürokratie durch Dokumentationspflicht, Ungleichgewicht bei der Besteuerung von Kosten und Umsätzen, fehlende Betreiber für neue Hotellerie und ähnliches mehr. Damit war gleichzeitig das dringlichste Problem angesprochen, denn „die beste touristische Infrastruktur funktioniert nicht ohne Einkehr“. Neben der Diskussion um die unterschiedlichen Steuersätze wären laut DEHOGA-Vorstandsmitglied Dieter Wetzel vom Schwanen in Metzingen insbesondere eine Flexibilisierung der Arbeitszeit hilfreich. Diese Forderung deckt sich mit der EU-Gesetzgebung, in der eine Wochenarbeitszeit verankert ist, während in Deutschland für die Betroffenen eine Beschränkung auf 10 Stunden pro Tag vorgeschrieben ist.

Vor Ort ist Differenzierung gefragt

In der anschließenden Diskussion bestand Gelegenheit, konkrete Sachfragen mit dem Minister anzusprechen. Dabei wurde deutlich, dass die großen Leitlinien für die Verantwortlichen vor Ort eine andere Perspektive ergeben können. „Die Zollernburg ist qua Gebäude eine Barriere“, stelle Dr. Anja Hoppe fest und verdeutlichte unterhaltsam, dass nicht alle touristischen Projekte den großen Trends untergeordnet werden müssen. Mit handfesteren Problemen hat die kleine Gemeinde Beuron zu kämpfen. Eigentlich ist kraft Gesetz das Land verantwortlich für den Unterhalt des Donaufernradweges. Im Durchbruchstal der Jungen Donau ist der Donauradweg jedoch bedingt durch die Topografie, den Verlauf der Bahnlinie und den Schutz von Biotopen von der L 277 zu weit entfernt, wodurch die Unterhaltspflicht kraft Verordnung schuldlos an die Gemeinde übergeht und eine finanziell zu hohe Belastung darstellt. Luis Schumann (Schwäbische Alb Tourismus) und der Albstädter OB Klaus Konzelmann machten auf bürokratische Genehmigungshindernisse beim Aufbau von Infrastruktur aufmerksam. Insbesondere gilt dies für unterschiedliche Praktiken innerhalb der vier Regierungspräsidien, bei denen bespielsweise vergleichbare Zielprojekte im Schwarzwald einfacher genehmigt werden als auf der Schwäbischen Alb. Hannes Napierala, Geschäftsführer des Campus Galli in Meßkirch, forderte ein allgemeines Bekenntnis zum Tourismus. Damit verbnunden solle die Möglichkeit zur Einflussnahme in relevanten Sachfragen sein, die anderweitig verortet sind. Als Beispiel ist hier der Konflikt zu nennen, der zwischen touristischer Entwicklung und der Anlage von Windparks entsteht. Guido Wolf zeigte sich in allen Fällen verständnisvoll und stellte in Aussicht, sämtliche Sachfragen im Einzelnen zu prüfen und die Möglichkeiten hinsichtlich Finanzierung oder Entbürokratisierung auszuloten.

Gruppe vor Scheunenmodell

Campus Galli: Tourismus trifft Forschung

Zum Abschluss des Tages besuchten die Beteiligten noch den Campus Galli, wo Hannes Napierala die aktuellen Entwicklungen des Living History-Projektes zwischen Tourismus und Forschung erläuterte. Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen soll die faszinierende Stimmung des Geländes touristisch immer weiter vermarktet werden. Teile des Projektes dienen aber auch der Forschung. Die Bedeutung dieser Dimension stellte Napierala am Modell der in Zukunft entstehenden Scheune dar. Der Erkenntnisgewinn alleine aus dem interdisziplinär umgesetzten Modellbau führen nach seiner Einschätzung dazu, dass „bereits jetzt Teile der ärchäologischen Literatur umgeschrieben werden müssen.“

Gruppe in Innenraum Campus Galli wird greifbarer: die Holzkirche ist in Grundzügen fertig gestellt

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