Draisine 200 Jahre Fahrrad: Ein badischer Erfinder erneuert die Mobilität

Die Draisine von Karl Drais im Technoseum in Mannheim

Mit der Erfindung der Laufmaschine setzte 1817 eine damals nicht abschätzbare Entwicklung ein. Heute sind Fahrräder durch den E-Bike-Boom mehr den je auf dem Vormarsch und haben sich zu High-Tech-Maschinen entwickelt, die dem verstaubten Image des Drahtesels gehörig auf den Leib rücken. Das Fahrrad bewegt – nicht nur von A nach B, sondern auch die Gemüter.

Gruppe an E-Bike-Ladestation In Tuttlingen und im Landschaftspark Junge Donau wurde von Politik, Touristikern und Dienstleistern das E-Mobility-Netzwerk “Junge Donau E-Stationen” in Betrieb genommen.

Zur Geschichte: Die Draisine zwischen Mythos und Märchen

Für Furore sorgten in letzter Zeit immer wieder Meldungen, wonach Karl Drais seine Laufmaschine, wie er sie nannte, aus der puren Not heraus erfunden habe. 1816 ging als das „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. Ursache war der gigantische Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815, dessen Staubwolken im Folgejahr Kälte und Ernteausfälle brachten. Das „Achtzehnhundertunderfroren“ genannte Elendsjahr hat angeblich dazu geführt, dass die Menschen ihre Zugtiere notschlachten mussten, um selbst etwas zu essen zu haben. Und deshalb habe Karl Drais eine Laufmaschine erfunden, um eine leichtere Fortbewegungsmöglichkeit ohne Tiere für die geplagte Bevölkerung zu entwickeln.

Karl Drais Porträt Karl Drais, Quelle: wikimedia

Zugegeben, es wäre ja wirklich eine wunderbare Geschichte in unserer nach Orientierung hungernden Zeit, wenn tatsächlich ein globales Naturereignis die Gnade einer genialen Erfindung zum Wohle der Menschen auslöste. Bewiesen ist das jedoch nicht, eher im Gegenteil. Denn zum einen hat Karl Drais bereits seit 1813 an Fahrzeugen ohne tierischer Zugkraft experimentiert. Zum anderen ist belegt, dass es speziell im badischen Umfeld des Erfinders keine Notschlachtungen und auch ausreichend Essensvorräte zur Überbrückung gab. Von den Hungersnöten betroffen waren eher Regionen, die so oder so mit Armut und geringen Erträgen zu kämpfen hatten wie zum Beispiel auf der Schwäbischen Alb.

zwei Radfahrerinnen In Hausen im Tal

An der wichtigsten Tatsache ändern diese noch zu klärenden Thesen aber nichts: Karl Drais hat mit der Erfindung des nach ihm benannten Laufrades die Erneuerung der gesamten Mobilität in Gang gebracht. Seine Ernte war zunächst ähnlich leidvoll wie das Leben der geplagten Bevölkerungsschichten: Hohn und Spott begleiteten seine Kreativität. Aber das Zweirad setzte sich durch und schon bald wurde in Mannheim der erste Radweg eingerichtet. Heute gehört das Fahrrad zu den hochtechnologischen Entwicklungen für Alltag und Freizeit. Baden-Württemberg und viele andere Länder sind ohne flächendeckendes Radwegenetz nicht mehr vorstellbar.

E-Bike Ein E-Mountainbike auf der CMT in Stuttgart

Ladestationen für die E-Mobility

Blau wie die Donau leuchten die Module an den neuen Pedelec- und E-Bike-Ladestationen im Landschaftspark Junge Donau. Die ersten fünf sind in Donaueschingen, Immendingen, Tuttlingen und Mühlheim bereits in Betrieb. In den nächsten Monaten kommen weitere zwölf zum flächendeckenden Netz der Junge Donau E-Stationen zwischen Donaueschingen und Sigmaringen dazu.

Kein Ladegerät notwendig

Ähnlich wie die Baar an der Donauquelle in Donaueschingen ihre Tochter Donau in Richtung Schwarzes Meer schickt, reihen sich die E-Bike-Ladestationen entlang des Donauradweges in Richtung Südosteuropa. Die Standorte der E-Bike Ladestationen erfährt man jederzeit auch über die Website des Landschaftspark Junge Donau oder beim Hersteller Bike Energy. Vor Ort gibt es zusätzliche Wegweiser. Die bereits bestehenden Ladestationen in Sigmaringen wurden ebenfalls in das Netzwerk der Junge Donau E-Stationen aufgenommen.

Radlerzeltplatz mit E-Bike Ladestation in Immendingen

Das Besondere an den neuen Stationen ist, dass E-Biker keine Ladegeräte mehr mitführen müssen. Es braucht lediglich ein Ladekabel, das kompatibel zum eigenen Akku-Hersteller ist und mit dem man direkt an das Lademodul anschließt. Wer noch kein eigenes Kabel besitzt, kann in der Nähe der Ladestation gegen Pfand eines ausleihen. Auch der Strom selbst wird kostenlos abgegeben.

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.