Schwäbisches Caféhaus: Die Alte Kass in Neidlingen

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Die Eigenart der Alten Kass beginnt schon beim Namen. Semmer doch mal ehrlich: selbst wenn Sie aus Schwaben sind, haben Sie sich vielleicht auch gefragt, was “Alte Kass” bedeuten soll. Die Familie Heppeler hat lange überlegt, wie sie ihr Caféhaus nennen will. Nach dauerndem Hin und Her entschieden sie sich, das Gebäude so zu nennen, wie es schon immer war: die Alte Kass, also die ehemalige Sparkasse. Dort, wo heute die Tassen klappern, klimperten einst die Münzen. Im Gegensatz zu früher gibt es allerdings einen großen Unterschied: heute bekommt man etwas, wenn man sein Geld dorthin bringt – außer sein Geld zurück. Aber es lohnt sich. Es ist gemütlich eingerichtet und viel geselliger als in einer diskreten Bank.

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Toiletteneingang

Unisex-Toiletten sucht man (auch frau) hier vergebens. Im Streuobstparadies unterscheidet man nicht unbedingt zwischen Mensch und Tier, aber sehr wohl zwischen männlich und weiblich. Konsequenterweise weist das Wort “Goggeler” den Männern den Weg zur Bewältigung ihrer Notdurft. Und wer falsch landet, weil er/sie kein Schwäbisch schwätzt? Auch egal, Sie wissen ja: Unisex…

Alte-Kass-Kirschbluete-Ulmer_Owen-7 Manche nennen die Alte Kass auch das Kirschencafé, weil Neidlingen bekannt ist für sein faszinierendes Schauspiel, wenn jedes Jahr im Frühling die rund 20000 Kirschbäume des Ortes ihr Blütenballett zum Besten geben. In Scharen kommen dann die Gäste und berauschen sich nach dem Winter am neuen Lebenszyklus. Inhaber Peter Heppeler ist gelernter Zimmerer und mit Kirschholz nach wie vor tief verbunden. Aus dem Edelholz stellt er mal mehr, mal weniger skurrile Dekorationsgegenstände her, die man neben vielen anderen regionalen Produkten im hauseigenen Laden kaufen kann.

Gäste haben es hier generell mit einem erhöhten Schmunzelkoeffizienten zu tun. Das merkt man eigentlich schon bei der Anfahrt, wo die Gäste im Vorgarten von einem alten Bett – selbstverständlich frisch bezogen – begrüßt werden. Der urschwäbische Landhausstil steht in direktem Bezug zum gastronomischen Angebot. Wer hier übernachten will, muss aber nicht im Vorgarten schlafen, sondern kann sich in der Ferienwohnung einmieten.

Beim Kuchen verwenden die Heppelers selbstverständlich Obst aus der direkten Umgebung, das sie eigenhändig entsteinen und verarbeiten. Wenn es die Jahreszeit erlaubt, kommen sie natürlich direkt auf den Kuchenboden. Man hat sich aber auch eine alte Technik zu Nutzen gemacht: das Einkochen, oder wie man im Schwäbischen sagt: Eidünschda. Regal um Regal reiht sich das Obst im großen Familienkeller: Zwetschga, Mirabella, Kirscha, Träuble, Gloda, Bira- und Äpflschnitz. Obst, soweit das Auge reicht und das Wasser im Munde zusammen laufen lässt. Da bleibt eigentlich nur die Verkündung einer alten schwäbischen Caféhaus-Weisheit: beim Schwätzen immer weiter essen.

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Dieser Artikel ist entstanden in Zusammenarbeit mit unseren Kommunikationspartnern: Tourismus BW Marketing GmbH, Schwäbische Alb Tourismus und Schwäbisches Streuobstparadies. Hierfür herzlichen Dank. Dieser Artikel ist Teil unserer Serie über das Schwäbische Streuobstparadies.

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