Arnold Stadler Der Ruhelose aus Rast: Arnold Stadler

“Es gibt keine Provinz, es gibt nur Welt, aber das habe ich nicht gewusst”, schreibt Arnold Stadler über seine Weltsicht.

In seinen Romanen vermisst und vermisst er die Landschaften und Seelen von Schwäbisch-Mesopotamien, dem Zweistromland zwischen Donau und Rhein, wo der Bodensee nicht mehr ist als die große Ausbuchtung eines Flusses.

Stehende Gewässer liegen ihm nicht. Stillstand in Orten auch nicht. Sein Heimatort Rast hat den denkbar ungeeignetsten Namen für Stadlers Lebensmittelpunkt. Doch im Landgasthof beim schwäbischen Wurstsalat, da fühlt er sich wohl.

Sein Blick schweift dann durch die Stube, während er sich erzählen lässt, wer von den Gästen nun zu welcher Familie im Dorf gehört und wer die Tochter oder der Sohn von wem ist. Oder sich mit seinen Freunden Gedanken macht über schwäbische Beleidigungswörter.

Mit genauem Blick auf die Menschen schreibt er – mal in seinen Erinnerungen, mal in deren Leiden – mit seinen Heimatromanen gegen den Heimatverlust an. Alle, die sich in seine Nähe wagen, können Romanfiguren werden.

Arnold Stadler zeichnet den ländlcihen Raum

Immer wieder beschäftigen ihn die Minderwertigkeitsgefühle der Landbevölkerung wie bei einem Kirchenchor-Ausflug in den 1960er Jahren: “Der Name, der alte Bus, die Nummer: und drinnen wir. Nur wenn wir unter uns waren, schämten wir uns nicht”.

Sonst fremdelten wir wie Kleinkinder in ein paar bestimmten Monaten, wir aber ein Leben lang“, heißt es in „Ein hinreissender Schrotthändler“.

Heimat ist für Stadler Lebenselixier und Erdung. In „New York machen wir das nächste Mal“ lässt der Erzähler den Protagonisten Roland reflektieren: “Damals war die Sehnsucht seine Zukunft, so wie die Vergangenheit nun sein Heimweh war”.

Arnold Stadler in Rast

“Das Urbild von Größe gibt für mich der Raster Kirchturm ab”, bekennt er sein Heimatdorf als Kristallisationspunkt. Die großen Denker der Region wie der Philosoph Martin Heidegger oder der Hofprediger Abraham a Sancta Clara gehören zu seinen geistigen Bezugspersonen.

Die Beschäftigung mit den Menschen seiner Heimat ist aus Anhänglichkeit geschehen. “Ich wollte mich nicht über die Menschen lustig machen, sondern ich habe sie ernst genommen, wahrgenommen”, sagt der Büchner-Preisträger.

Unverhohlen zettelt Arnold Stadler eine Don-Quijoterie an, damit die Würdigung seines literarischen Lebenswerkes nicht zum gesellschaftlich-repräsentativen Genrebild degeneriert.

Energisch reitet er dann dem politischen Publikum entgegen und lanciert eine Attacke gegen die Ignoranz der Energiewende, die in Gestalt von Windrädern die Landschaft seiner Heimat zerstören – dabei “luftet’s do gar net”.

Landschaft ist kein Hort der Energiewirtschaft

Vehement wehrt er sich gegen diese “Windkraftmonster”. Die Landschaft sei das wertvolle, zu schützende Kapital der Region. Es könne einem die “Schwarzwaldtannen-Schwermut” befallen, bei dieser fortschreitenden Verwüstung unseres gemeinsamen Lebensraumes. “Ich sehe meine Aufgabe darin, das zur Sprache zu bringen.”

Gerne beteiligt er sich auch an Kooperationen, deutet die Wertigkeiten seiner Mitstreiter auf dem und im Land aus. Wie sein Ausflug in die Welt von Jakob Bräckle, den “Julius Bissier am Bodensee” oder seine Reflexionen zu Wolfgang Veesers Fotos im Pfrunger-Burgweiler Ried.

Sein neuesten Romane tragen die Titel “Rauschzeit“, dem Paarungsroman im Großstadtwald und “Am siebten Tag flog ich zurück“, den er nach seiner Rückkehr von einer Reise zum Kilimandscharo verfasste.

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