Baustelle mit vielen Menschen Ungewöhnlich hohe Brauereidichte

Foto: Kreisarchiv im LRA Tuttlingen

ca. 1890 bis 2016: Tuttlingen und Umgebung braut

Ende des 19. Jahrhunderts gab es an der Jungen Donau und den benachbarten Tälern eine beachtenswerte Brauereidichte. Aus allen Orten mit ihren vielen Sudkesseln sticht die Tuttlinger Kernstadt anno 1889 mit ihren rund 12.000 Einwohnern und 42 Brauereien besonders heraus.

Hauptursache war die Industrialisierung und die hohe Anzahl der Einpendler. Damals gab es keine Kantinen und täglich mussten tausende Beschäftigte der Medizintechnik- und Schuhfabriken versorgt werden. Damit lag Tuttlingen hinsichtlich der Anzahl der Brauereien auf Augenhöhe mit Städten wie Dortmund, das jedoch rund 90.000 Einwohner zählte.

Das heutige Stadtgebiet von Tuttlingen mit den Eingemeindungen Möhringen, Nendingen und Eßlingen umfasste um 1890 mindestens 49 Brauereien. Aus Eßlingen gibt es keine Dokumente, es ist jedoch unwahrscheinlich, dass dort keine einzige Brauerei existiert haben soll.

Von der hohen Brauereidichte zur Nullexistenz

Nach diesem Höhepunkt setzte wie allerorts auch in Tuttlingen das große Brauereisterben ein und peu à peu mussten die meisten Brauereien schließen. In Tuttlingen war es 1996 die Pfauen-Brauerei, die als letzte in der Stadt ihre Pforten schloss.

Als einzige größere Brauerei im heutigen Landkreis Tuttlingen hat sich die Hirsch-Brauerei im benachbarten Wurmlingen behauptet, die im hauseigenen Museum die Geschichte der Bierregion an der Jungen Donau in Ehren hält.

Die tatsächliche Zahl der Brauereien lässt sich wahrscheinlich gar nicht mehr feststellen, weil für die Hausbrauereien häufig entsprechende Archivalien fehlen. In Mühlheim ist die enzbergische Brauerei überliefert, für die Größe der Stadt müsste es aber auch hier noch Hausbrauereien gegeben haben.

Der einstigen Brauereidichte nachspüren

Wer in Tuttlingen mehr über die Geschichte der Brauereien und Braugasthöfe erfahren will, kann an einer Stadtführung zum Thema Bier teilnehmen.

In Meßkirch beispielsweise gab es mindestens vier Brauereien: “Fuchs, Stärk, Straub, Fürber, daneben noch eine Reihe kurzlebiger Hausbrauereien” berichtet Dr. Armin Heim aus dem Heimatmuseum. Auch in anderen Heimatmuseen wird das Biererbe gepflegt. Im Ifflinger Schloss in Fridingen findet sich eine alte Bierstube und das Gewerbemuseum in Spaichingen hat eine kleine Abteilung zur stadteigenen Brauereilandschaft aufgebaut.

Gaststube im Heimatmuseum dokumentiert Brauereidichte

Die Gaststube im Fridinger Heimatmuseum Ifflinger Schloss

Brauereifrei sind in Tuttlingen aber bestenfalls die Gaststätten. Denn es gibt auch neues Brauerleben in der Stadt. Seit 2016 hat Alex Giammarinaro die Mikrobrauerei HopfX Bräu in der Bahnhofstraße aufgebaut.

Sie ist Beispiel für die vielen kleinen Brauereien, die derzeit neu entstehen – meist im Zuge der Entwicklung von Craft-Bieren, der Besinnung auf Qualität, der Wiederentdeckung der Sortenvielfalt und der Pflege des Brauhandwerks.

Dieser Artikel gehört zur Serie der Bierregion Junge Donau.

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