Die Junge Donau ist Biersüden (6): Bier und Leviten für alle

1699 / Abraham a Sancta Clara

Der wortgewaltige und humorvolle Wiener Hofprediger Abraham a Santa Clara ist ein Wirtssohn aus Kreenheinstetten, wo im Landgasthof Zur Traube bis heute die originale Gaststube in die Zeit des 17. Jahrhunderts führt. Er wurde bekannt für seine geschliffene Rhetorik, mit der er den Menschen unabhägig von Stand und Ansehen ins GEwissen zu reden wusste. Um die Wende ins 18. Jahrhundert durchsuchte er einmal die gesamte Bibel. Zu seinen Absichten erklärt er: „In ganzer heiliger Schrift geschieht gar keine Meldung von dem Bier“. Dennoch schätzte er Bier, nicht zuletzt als Getränk für das gesamte Volk, die heilsame Wirkung und die dahinter stehende Bescheidenheit, die er im Vergleich mit Wein ausmachte: „Obschon das Bier mit dem Wein sich in keine Kompetenz einlasset und demselben gern den Vorsitz gönnet, dennoch wird es mehrmal von den verständigen Medicis manchem Patienten zugelassen, […] welches destomehr die Ehr des Biers, und folgsam des Bierbräuers, vergrößert. Neben der Wertschätzung der vergorenen Weizen- und Gerstensäfte forderte er trotz der Leiden seiner Zeit gewissenhaftes Arbeiten mit Bier. Entsprechend groß war getreu seiner Art Abrahams Schelte, wenn ein Bier nicht nach den Regeln der Kunst gebraut wurde. Das Reinheitsgebot galt zwar schon fast 200 jahre (bei Missachtung mit drakonischen Strafen), doch forderte er auch Qualität, die er nicht bei allen umgesetzt sah: „Bei manchem Bräuer aber findet man so kraftloses Bier, dass die Regentropfen, sofern sie ihren Weg nur über die Dachschindeln nehmen, eine bessere Kraft in sich haben.“ Auch den Gastwirten redete er ins Gewissen: „Allen Wirten, welche nicht nur allein wider ihr Gewissen die Gäste weit ärger rupfen als die Gänse, […] einen sauren Wein und schlechtes Bier verkaufen. Allen diesen wird Gott am Jüngsten Tag eine harte scharfe Zeche machen.“

Dieser Artikel gehört zur Serie der Biergeschichten an der Jungen Donau anlässlich des 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes

Ein Kommentar