Die Junge Donau ist Biersüden (1): Das Reinheitsgebot

1516 / 500Jahre Reinheitsgebot

Der Originaltext des Reinheitsgebotes

Wir wöllen auch sonderlichen / das füran allenthalben in unsern Stetten / Märckthen / unnd auf dem Lannde / zu kainem Pier / merer Stückh / dann allain Gersten / Hopffen / und Wasser / genommen und gepraucht sölle werden.

Natürlich fällt auf, dass nur drei statt vier Zutaten zugelassen wurden, deshalb hier die Antworten auf klassische Seinsfragen zum Reinheitsgebot:

Weshalb nur Gerste und Hopfen?

Die wichtigste Zutat ist ab 1516 die Gerste, die man als einziges Getreide für das Brauen von Bier mälzen durfte. Das Reinheitsgebot wurde nicht nur zum Schutz der Qualität eines beliebten Volksgetränkes erlassen. Es ging auch nicht darum, Gestenmalz als einziges Getreide zuzulassen, um aus Erfahrung gewonnene Qualitäten abzusichern. Dieses Bestreben mag es gegeben haben, doch der Hauptgrund für den Erlass war, andere Getreidesorten für die Versorgung mit Brot oder anderem Bedarf zu schützen. Und man wollte die „Bieranarchie“ bekämpfen, sprich: der Panscherei ein Ende setzen. Kräuter, Blüten, Rinde, Tollkirschen oder Ochsengalle wurden zugesetzt, um schlechtes Bier geschmacklich zu übertünchen.

Warum steht Hefe nicht im Reinheitsgebot?

„Heute back ich, morgen brau ich…“, heißt es im Märchen Rumpelstilzchen. Hier wird auf die Zunft der Bäcker angespielt, die ab im Mittelalter zu den besten Brauern zählten. Dieser Ruf hing ihnen aber nicht nach, weil sie das beste Bier brauten, sondern weil sie am wenigsten misslungene Maische wegschütten mussten. Denn Brauen war damals eine Art Glücksspiel. Man wusste noch nicht, dass Hefe die Gärung auslöst. Deshalb steht sie auch nicht im Reinheitsgebot. Maische begann zu gären, wenn Hefen in der Luft herumschwirrten. In den Backstuben war dies wahrscheinlicher, weshalb Bäcker das Glück erzwingen konnten. Nach wie vor ist Hefe das entscheidende Geheimnis. Zahllose Arten (und damit zukünftige Biersorten) sind noch gar nicht entdeckt.

Dieser Artikel gehört zur Serie der Biergeschichten an der Jungen Donau anlässlich des 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes

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