125J Donautalbahn Donautalbahn seit 1890: Soldaten zu Pendlerscharen

Der Landschaftspark Junge Donau schaut zurück und in die Zukunft

Die Donautalbahn zwischen Ulm und Donaueschingen gilt insbesondere im Abschnitt zwischen Sigmaringen und Tuttlingen als eine der reizvollsten Bahnstrecken in ganz Deutschland. 2020 beging der Bauabschnitt im Durchbruchstal den 130. Jahrestag seiner Errichtung.

Der Landschaftspark Junge Donau, eine Interessengemeinschaft der Anrainerkommunen zwischen Donaueschingen und Sigmaringen, feierte 2015 gemeinsam mit den Bürgern das Bauwerk, dem auch in Zukunft eine entscheidende Rolle für das Leben im ländlichen Raum zukommen soll.

Zusammenfluss von Schmeie und Donau

Am Zusammenfluss von Schmeie und Donau begann der neue Bahnabschnitt der Donautalbahn durchs Durchbruchstal

Die Donautalbahn war zunächst nicht geplant

Die Idee einer Zugverbindung entstand bereits 1860. Das Eisenbahncomité Tuttlingen wollte die württembergische Regierung dazu bewegen, den neuen Industriestandort Richtung Ulm anzubinden. Die dazugehörige Denkschrift sah jedoch eine Streckenführung nach Sigmaringen nicht durch das Donautal, sondern über Neuhausen und Meßkirch vor.

Doch weder das Großherzogtum Baden noch das preußische Hohenzollern konnten sich mit dieser Idee anfreunden. Bei der Streckenführung durch das Donautal stand man vor geographischen und territorialen Herausforderungen. Neben den baulichen Anforderungen befand sich das Donautal in drei Staatsgebieten des Königreichs Württemberg, des Großherzogtums Baden und der Hohenzollerischen Lande.

Den politischen Durchbruch für die Donautalbahn brachte am Ende das preußische Kaiserreich, das nach dem Krieg mit Frankreich 1870/71 bei drohenden Waffengängen schnell die württembergischen und bayerischen Regimenter ins Elsass transportieren wollte. Der Bau wurde dem Königreich Württemberg übertragen, das ab 1888 das Vorhaben umsetzte.

Gastarbeiter für die Donautalbahn

Man unternahm mit Hilfe von Gastarbeitern große Anstrengungen für den Bau der Donautalbahn. Innerhalb von zwei Jahren wurden vier Tunnels, mehrere Brücken, acht Bahnhöfe und 22 Bahnwärterhäuschen errichtet. Es wurde ein halber Kilometer Donau verlegt, um auf 40 km Länge eine optimale Streckenführung umzusetzen.

Bei der Einweihung am 26. November 1890 fuhr ein festlich geschmückter Dampfzug mit Ehrengästen von Tuttlingen nach Sigmaringen und machte an allen Stationen Halt, wo unter lauten Böllerschüssen und “Hoch”-Rufen das neue Verkehrsmittel eingeweiht wurde.

“Ein Schienenzug verbindet die beiden blühenden Donaustädte Tuttlingen und Sigmaringen, und eines der prächtigsten Thäler, die sich je ein Fluß geschaffen, ist in den Weltverkehr eingereiht”, frohlockte damals die Presse.

125J-DTB-Umschlag

Die Donautalbahn: Fluch oder Segen?

Die Donautalbahn wurde tatsächlich zum Segen, aber nicht unbedingt wegen ihrer Schönheit, Mondänität oder ihres militärischen Nutzens, sondern vor allem als Pendlerzug. Ein Zahlenbeispiel möge dies verdeutlichen: 1890 nutzen rund 150.000 Fahrgäste den Bahnhof in Tuttlingen, 1908 waren es bereits viermal so viele.

Die Donautalbahn band unheimlich viele Pendler aus dem Donautal und den umliegenden Dörfern an das neu entstehende Weltzentrum der Medizintechnik und die Schuhfabriken. Wenn heute die Waldwege beispielsweise zwischen Leibertingen und Beuron für Wanderungen genutzt werden, genießt man gleichzeitig die Pendelwege der Arbeiter, für die diese Strecke zum täglichen Brot gehörte.

Heute ist es vergleichsweise ruhig um die Donautalbahn geworden. Über viele Jahre bedingte das eine das andere: Auf der schwach ausgelasteten Strecke wurden Fahrpläne ausgedünnt und Stationen geschlossen, was die Benutzerzahlen weiter sinken ließ. Dies wiederum zog weitere Kürzungen nach sich.

Die Donautalbahn soll wieder als Pendlerzug gefragt sein

Doch die Nachteile des Individualverkehrs fordern eine Wiederbelebung der Donautalbahn als Pendlerzug zu attraktiven Wohnorten außerhalb der Mittelzentren und zur Verbesserung des Naturschutzes. Dieses Anliegen verfolgt die IG Donaubahn, in der sich die kommunalpolitisch Verantwortlichen zwischen Ulm und Donaueschingen zusammen geschlossen haben.

Das gemeinsame Ziel: Die Donautalbahn soll wieder aufgewertet werden und so einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige Mobilität im ländlichen Raum leisten und unter anderem attraktiver für den Tourismus und die Naherholung werden.

Zum 125. Jubiläum wurden zahlreiche Ausstellungen entlang der Strecke gemacht und der Landschaftspark Junge Donau veröffentlichte eine Broschüre, die am großen Jubiläumstag im September veröffentlicht wurde.

Einen Bericht über die weitere Entwicklung finden Sie hier: Bekommt die Donautalbahn den Stundentakt?. Weitere Aktualisität bekommt die Donautalbahn durch die Versuche, auch die Ablachtalbahn wiederzubeleben.

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