Einmalige Donauversickerung: Flussbett ohne Donau

Die Donaversinkung oder Donauversickerung ist regelmäßig Thema im Junge Donau Magazin. Das weltweit einmalige Geophänomen vereint mit verschiedene Schwerpunkte, mal kulturgeschichtlich, mal fotografisch, mal biologisch, mal geologisch. Jährlich wiederholt sich an der Jungen Donau zwischen Immendingen und Tuttlingen-Möhringen ein einmaliges Naturschauspiel. Die Donau verschwindet komplett im Erdreich und hinterlässt ein trockenes Flussbett, auf dem Wasserpflanzen wachsen und in den Böschungen kann Treibgut von unten betrachtet werden. In den Phasen, in denen die Donau hier Wasser führt, fließt sie an einzelnen Stellen sogar rückwärts. Wie kann es sein, dass ein so wasserreicher Fluss komplett verschwindet?

Radfahrer im Flussbett
Sieht aus wie ein Radweg, ist aber keiner: Radfahrer nutzen während der trockenen Monate gerne die Gelegenheit und fahren ein Stück im Flussbett.

Dieses Ereignis entlang der Donau nennt man – ja, wie eigentlich? Mitunter wird darüber diskutiert, ob dieses Geophänomen Donauversinkung oder Donauversickerung heißt. Hier wird diese Frage nicht abschließend beantwortet werden können. Fakt ist jedoch: beide Begriffe werden gebraucht und meinen den selben geologischen Vorgang. Immendingen trägt die Bezeichnung Donauversinkung sogar im Ortsnamen, in Möhringen spricht man von der Donauversickerung.

Blaue Abendlandschaft im Spätherbst

Abgesehen davon, dass das Abtauchen die Diskussion um den Anfang der Donau unfreiwillig befeuert, geschieht das Auf und Ab und Hin und Her der Donau bei niedrigem Wasserstand sichtbar an Schlucklöchern entlang der Uferböschung. Hier entsteht ein Sog, der in Wirbeln und glucksenden Abflüssen das Wasser nach unten in die Gesteinsmassen zieht. Sogar bereits vorbei geflossenes Wasser wird manchmal erfasst und lässt die Donau rückwärts fließen.

Donau-Schluckloch

Dahinter steckt ein gigantisches, sich laufend vergrößerndes unterirdisches Höhlensystem, das sich im Laufe von Jahrmillionen zwischen verschiedenen Weißjurabanken gebildet hat. In Zwischenräumen löst das Donauwasser täglich ca. 11.000 Tonnen Kalk und vergrößert so permanent die unterirdischen Hohlräume und damit auch die Aufnahmekapazität des Donauwassers. In diesem Gebilde fließt das Donauwasser entlang der europäischen Wasserscheide etwa 60 Stunden lang unter der Erde. Dann stößt es 175 Höhenmeter tiefer im Aachtopf wieder auf und macht diesen zur größten Quelle Europas.

An der Donauversickerung befindet sich auch der Premiumwanderweg „Donauversinkung“. Er ist wie gemacht für geologisch Interessierte, schließt der Rundweg Richtung Hattingen auch den Kratersee Höwenegg und verschiedene Dolinen ein. Entlang der Wegstrecke am Ufer befinden sich immer wieder Rastplätze und Schautafeln mit Erläuterungen. Sie beantworten spannende Fragen: „Was macht ein Fisch ohne Wasser?“ oder „Welchen Kampf führen Donau und Rhein?“ Alles absolut sehenswert.

Ninas EssART

Wer Zeit hat, kann auch den Donaubergland-Premiumwanderweg mit dem gleichen Namen “Donauversinkung” laufen und weitere Naturphänomene kennenlernen. Aber auch als Spazierweg ist der Abschnitt zwischen Immendingen und Möhringen geeignet. Hier ein paar Impressionen eines einmaligen Flussabschnittes:

versunkene Donau im Gegenlicht Das ist weder der Donauradweg noch ein Donauwanderweg, sondern das Flussbett der Donau in Möhringen im November 2015. Am Parkplatz am Eisenbahnviadukt zwischen Tuttlingen-Möhringen und Hattingen kann man direkt in das Flussbett einsteigen.

nahaufnahme Unterwasserpflanzen im trockenen Flussbett Richtung Immendingen begegnet man in der untergehenden Sonne kräftig-grünen Schilfgräsern. Üblicherweise stehen sie unter Wasser.

Donauverinkung im Herbstlicht Zerbrechlich und leuchtend zeigen sich die Blätter im Licht des Spätherbstes

Schwemmgut von unten Die vertrockneten Halme in den Uferbüschen zeigen den hier möglichen Wasserstand der Donau an.

Tau auf Wasserpflanzen Der Tau auf den Gräsern ist quasi der Bettnässer in der trockenen Donau.

Stelen am Donauufer Ohne Zweifel gehört die Donauversinkung zu den Donauperlen im Landschaftspark Junge Donau, die durch die blauen Rubinienstämme optisch miteinander verbunden werden.

Schluckloch In diesen Wochen findet man viele durstige Schlucklöcher am Rand des Flussbettes. Das fehlende Wasser macht sie zu kleinen Dolinen, die den typischen Kältesog entwickeln. Die Blätter werden trotz herbstlich-warmer Temperaturen mit einer Frostschicht überzogen.

Wassergrenze Nach etwa zwei Kilometern kommt wieder etwas Wasser. Aber es steht, kein Fluss! Der Kältesog tut das seinige und überzieht Wasser und Algen mit einer hauchdünnen Eisschicht.

gefülltes Flussbett der Donau bei Immendingen Plötzlich steht man wieder vor dem gefüllten Flussbett.

Treibholzdamm Am Übergang vom fließenden zum stehenden Wasser hat sich das Treibholz zu einem kleinen Damm aufgetürmt.

Abfluss in Schluckloch Am letzten Schluckloch wird das restliche Wasser in die Tiefe Richtung Aachtopf gestürzt.

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