Der Falkenstein im Donautal

Die Ruinen Unter- und Ober-Falkenstein bergen viele Geheimnisse und sind nicht nur wegen ihrer Einbettung in die reizvolle Landschaft des Durchbruchstals der Donau von besonderer Attraktivität.

Mauerreste

Die Ruine Ober-Falkenstein

Hoch über dem Donautal wurden im 16. Jahrhundert die Burgen Wildenstein und Falkenstein von den Meßkircher Grafen von Zimmern ererrichtet. Über Europa und Süddeutschland fegte damals der Sturm aus Dreißigjährigem Krieg, Reformation und Pest. In der Zimmernschen Chronik des Grafen Christoph Froben sind viele Episoden um Feste und Fäuste, Staats- und andere Affären, Moral und Morde überliefert. Die beiden Ruinen verdienen aufgrund ihrer geschichtlichen, kulturellen und architektonischen Bedeutung das bestmögliche Engagement zu ihrer Erhaltung.

Beide Burgen gehören zu den sogenannten Felsenburgen, allerdings mit unterschiedlicher Ausprägung. Bei der auf einem Felssporn über dem Donautal vorgelagerten Burgruine Unter-Falkenstein wurde die Architektur unnmittelbar in den Fels eingearbeitet. Durch eine dendrochronologische Untersuchung von erhaltenen Eichenbalkenresten konnte die Entstehungszeit der Burg in die Zeit um 1150 datiert werden. Sie ist somit die einzige noch bekannte Ruine des frühen Hochmittelalters überhaupt.

Die Kernburg der Ober-Falkenstein sitzt auf einem über 40 Meter langen und 20 Meter breiten Felssockel. In ihren Anfängen stammt sie aus dem Mittelalter, doch aus dieser Epoche sind kaum Reste erhalten. 1516 erwirbt Gottfried Werner von Zimmern den Falkenstein als freies Eigentum und verkauft das Schloß knapp zehn Jahre später an seinen Bruder Johann Werner. Während des Burgensterbens in der frühen Neuzeit geschah etwas Ungewöhnliches. Die Grafen von Zimmern bauten eine mittelalterliche Burg in ein Renaissance-Schloss um. Man wollte in schwierigen Zeiten einen sicheren Rückzugsort haben. Nachdem das Zimmern-Geschlecht 1594 keine Erben mehr hat, fallen die Burgen zunächst den Grafen von Helfenstein-Wiesensteig zu. Diesen widerfährt dasselbe Schicksal 1627, wodurch die Fürsten zu Fürstenberg den Falkenstein erben, dessen Eigentümer sie bis heute sind. Der Falkenstein ist ein beliebtes Wanderziel und bietet von den Aussichtsfelsen in der Nähe imposante Ausblicke aufs Donautal.

Chronik Das Blatt aus der Zimmernschen Chronik zeigt einen Fahnenträger des Hauses mit dem Wappen des Adelsgeschlechtes. Quelle: Württembergische Landesbibliothek, Stuttgart[/caption] Falkenstein in der Zimmerschen Chronik ist eine dokumentarische Quelle für geschichtliche Vorgänge. Von der Falkenstein sind ebenfalls einige Episoden überliefert.

Christoph Froben von Zimmern berichtet, unter welchen Umständen Gottfried Werner Freiherr von Zimmern das Schloss Falkenstein an der Donau von Wolf von Bubenhofen gekauft hat. Wolf von Bubenhofen kam aufgrund seines Lebenswandels in Nöte und bot die Burg zunächst Sixt von Hausen an, der aber nichts damit zu tun haben wollte. Auch die Verhandlungen mit Freiburger Kartäusermönchen scheiterten. Der verbliebene Verhandlungspartner Gottfried Werner von Zimmern erhielt den Zuschlag und baute mit Johann Werner die Burg komplett um. Die Zimmern schufen sich einen Rückzugsort in Zeiten von Krieg und Pest. Zugleich wurde Ober-Falkenstein als Lustschloss genutzt.

Mord auf Falkenstein – Aus der Zimmernschen Chronik

Doch das Burgleben war nicht immer amüsant, wie die Erzählung Christoph Froben von Zimmerns über die Ermordung des Burgvogtes Bernhart zeigt, die hier in einem Ausschnitt nacherzählt wird:

Wie sich allerlei Sachen zu Heinstetten, Gutenstein und an andern Orten in der Herrschaft Meßkirch begaben

Eine kurze Zeit davor, ehe dann Herr Gottfried Werner das Schloss Falkenstein an sich gebracht hat, hat Wolf von Bubenhofen einen Vogt, genannt Bernhart, auf dem Schloss gehabt. Derselbe Bernhart hatte seine Frau aus Kreenheinstetten, genannt Engele Stüberin. Es begab sich, dass er mit seinem Schwiegervater Ulrich Stübern, der damals in Kreenheinstetten saß, wegen einiger unnachbarlicher Ansprachen zu Unfrieden wurde, dass er dem Schwiegervater auf Leib und Gut absagte. Der fürchtete ihn so übel, dass er einen Söldner von Gutenstein, genannt Lude Seger, der ein Zimmermann und ein starker, gerader Mann war, bestellte, er solle ihm den Schwiegersohn umbringen. Darum gab er ihm vier Gulden. Derselbe Lude empfing das Geld, nahm sich in acht, und als einmal Bernhart unter Falkenstein an der Steige gegen den Weiler mit einem jungen Buben Holzscheite aufrichtete und also auf dem Beig stand, war der Lude zugegen, hinter einem Baum verborgen. Der schoss mit einer Pirschbüchse, traf ihn unter dem Arm, so dass er gleich herab fiel und tot war. Er wurde in Hein-stetten begraben. Auf solchen Mord, wer den begangen, wurde viel Kundschaft gemacht, aber es blieb eine gute Zeit verschwiegen, so dass aus der Sache kein Urteil gesprochen werden konnte.
Nun hat aber der Mörder, Lude Seger, einen Nachbarn zu Gutenstein, genannt Paule Plank, der war ein Taglöhner und gleichergestalt ein ansehnlicher und starker Mann. Sie hatten beide ihre Häuser daselbst nah beinander, und wie sie Nachbarn, auch beide starken Leibes, also hatten sie auch viele Mordssachen und andere böse Stücke miteinander vollbracht. Es begab sich ungefähr ein Jahr danach, dass ein Landsknecht aus Frankreich kam, genannt Barthel Preisinger, gebürtig von Gutenstein, der hat etliches an Geld heim gebracht. Auf den Barthel machten Lude Seger und auch sein Gesell, der Paule Plank, ihre Kundschaft, und als derselbe einmal nach Meßkirch ging und sie vom Geld bei ihm erfuhren, machten sie beide sich auch auf den Weg, und als der gute Barthel nicht fern vom Hohen Kreuz war, da griffen sie ihn gleich absichtlich an und ohne jedes Erbarmen schlugen sie ihn zu Tod. Sie plünderten ihn aus, liefen mit dem Geld davon wieder nach Gutenstein, den Leib ließen sie im Holz liegen. Noch desselbigen Abends wurde der Leib also tot und übel zerschlagen und zugerichtet von Etlichen aus Stetten am kalten Markt gefunden und erkannt. Die gingen eilends nach Gutenstein und berichteten dem Amtmann, auch anderen, wie sie den entleibten Barthel gefunden haben. Dieweil es aber so spät war, ließ der Amtmann die Sache in selbiger Nacht auf sich beruhen…

Wie die Geschichte weiter ging und ob die beiden Mörder ihrer gerechten Strafe zugeführt werden konnten, kann man auf den Infotafeln nachlesen, die von der Aktion Ruinenschutz auf an der Ruine Falkenstein aufgestellt wurden.

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