Das Gewerbemuseum in Spaichingen

Geschichte und Kultur am Fuße des Dreifaltigkeitsbergs im Primtal

Werkzeug einer alten Schreinerei Ursprünglich war das Gewerbemuseum in Spaichingen als Ort zur Aus- und Weiterbildung der Gewerbetreibenden errichtet worden. Heute ist es immer noch Lernort, aber für alle Generationen, die hier einen Einblick erhalten in das ganze Spektrum geschichtlicher Einflüsse, welche die Stadt Spaichingen geprägt haben. Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen der Stadtverwaltung, des Gemeinderats und des Heimatvereins dem historischen Herz des Arbeits- und Kulturlebens höchsten Stellenwert einräumen und derzeit eine zeitgemäße Präsentation planen.

Vom Gewerbe- zum Industriestandort

Ästhetisch und repräsentativ errichtete 1876 der Gewerbeverein im Stil der Neorenaissance das Gewerbemuseum. Es war ein Fortbildungszentrum zur Wissensvermittlung. Man wollte so die Handwerker und Auszubildenden vor Ort immer auf den aktuellen Stand bringen, um den Wandel von der bäuerlich-handwerklichen Tradition in das Industriezeitalter zu bewältigen. Die wichtigsten Gewerbe waren die Tabakverarbeitung und die Möbelschreinerei. Auch ein vollständiger Friseurladen aus der vorletzten Jahrtausendwende wird hier ausgestellt.
Keltische Fundstücke

Frühe Besiedlung

Obwohl Spaichingen erstmals 791 in einer St. Galler Urkunde schriftlich bezeugt ist, war die Region schon viel früher besiedelt. Wie so oft beginnt die überlieferte Geschichte in Deutschland mit den Kelten oder Römern. Auch in Spaichingen haben sie ihre Spuren hinterlassen, wie einige seltene Funde beweisen.

Volksfrömmigkeit

Ein Thema der Dauerausstellung gilt dem religiösen Empfinden in der Bevölkerung der Stadt, die nach wie vor in den katholischen Christen den größten Anteil hat. Hier wird noch immer die Prägung der Stadt als ehemaliger Teil der Habsburger Monarchie in Vorderösterreich spürbar. Die Menschen kümmerten sich bei der Entwicklung ihres Glaubens aber nicht unbedingt um die theologisch geprägte Praxis in der Kirche, so dass die Grenze der Volksfrömmigkeit zum Aberglauben leicht überschritten werden konnte.

gemaltes Porträt

Karl Kuolt

Karl Kuolt

Aus der Tradition der Holzverarbeitung kommt auch der größte Künstler der Stadt, Prof. Karl Kuolt. Sein Vater war Schreiner und so lernte er zunächst das Handwerk des Möbelschnitzers und Altarbauers. Seine Wanderjahre und sein Talent führten ihn 1897 nach München, wo er Bildhauerei studierte. Sein Werk widmete er in erster Linie der sakralen Bildhauerei. Er fertigte zahlreiche Kriegerdenkmale, Weg- und Grabkreuze oder Heiligenfiguren wie die Maria Immaculata. Den größten Erfolg erntete er jedoch mit seinen Weihnachtskrippen, die auch als Volkskrippen in die Vervielfältigung gegeben wurden. So konnte er seine religiösen Empfindungen, sein handwerkliches Können und seine Lebenssicherung miteinander verbinden. Eine dieser Krippen wird noch heute in Südtirol hergestellt.

Das Gewerbemuseum ist am Sonntagnachmittag sowie auf Anfrage geöffnet.