Schloss Sigmaringen / Hohenzollerischer Jakobsweg Hohenzollerischer Jakobsweg von Sigmaringen nach Meßkirch

Kloster, Kirchen, Kapellen säumen den Hohenzollerischen Jakobsweg

Entlang des Hohenzollerischen Jakobswegs von Inzigkofen über die Teilorten Vilsingen und Engelswies bis nach Meßkirch finden Jakobspilger typische Orte des religiösen Lebens in der Region, die durch einen tief verwurzelten Volksglauben und einmalige Landschaften charakerisiert ist.

Sigmaringen ist Wallfahrts- und Pilgerstadt

Von Hechingen kommend können Pilger große Teile der einstigen Hohenzollerischen Lande auf dem Jakobsweg kennen lernen. Die geschichtsträchtige Region hatte ihren preußischen Regierungssitz in Sigmaringen, wo das alles überragende Schloss bis heute die Heimat der Fürstenfamilie ist. Zur Stadt Sigmaringen gehören seit der Gebietsreform auch einige Teilorte, die Stationen auf dem Hohenzollerischen Jakobsweg sind.

Jakobsweg in Jungnau

Der Jakobsweg in Jungnau im Laucherttal

Im Laucherttal mit seinem mäandernden Flussverlauf gelangt man aus Veringenstadt kommend nach Jungnau. Die St. Anna-Kirche neben dem alten Burgfried und einigen Fachwerkhäusern bilden ein romantisches Dorfensemble, das man für eine kleine besinnliche Einkehr gerne besuchen wird.

In Sigmaringen beim heiligen Fidelis

In Sigmaringen kommt man auch in die Geburtsstadt des heiligen Fidelis (1578-1622). Der Jurist und Philosoph mit dem Taufnamen Markus Rey gab seine einträgliche Stellung auf, um in den Kapuzinerorden einzutreten und mit dem Ordensnamen Fidelis („der Treue“) die Priesterweihe zu empfangen. Bald nannte man ihn den „Advokat der Armen“.

Während seiner Missionstätigkeit in Graubünden geriet er in die konfessionellen Konflikte der Reformation und wurde erschlagen, nachdem er seinem katholischen Glauben nicht abschwören wollte. Er wurde in Chur bestattet und sein Haupt wird als Reliquie im Kapuzinerkloster in Feldkirch aufbewahrt.

In Sigmaringen begegnet man seinem geistlichen Erbe an allen Ecken der Stadt. In der Johannes-Kirche, direkt neben dem Schloss, befindet sich eine ungewöhnliche Kontaktreliquie. Die Fideliswiege symbolisiert den Anfang seines Lebensweges.

Statue und Wiege des heiligen Fidelis

Laiz: Wallfahrtsort mit ehemaliger Klosterkirche

Wenn man die Innenstadt von Sigmaringen verlässt, kommt man auf dem gut ausgeschilderten Jakobsweg entlang eines ruhigen Stückes an der Donau in den Teilort Laiz. Über dem Ortskern erhebt sich eine außergewöhnliche Kirche mit einem schönen Kirchhof aus Epitaphen und einem Bibelgarten. Das Innere jedoch dürfte so manchen überraschen.

In der unscheinbar wirkenden Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul verbirgt sich eine vielzahl hochwertiger Werke der Kirchenkunst seit der Zeit des Mittelalters. Überraschend ist auch, dass es sich um eine Doppelkirche handelt. Neben der Pfarrkirche befindet sich in der ersten Etage die ehemalige Klosterkirche des benachbarten Franziskanerinnen-Klosters, wo auch die Schmerzensmutter zur Wallfahrt einlädt.

Die Pieta begleitet eine aufregende Geschichte. Während der Reformation und des späteren Bildersturms wurde sie nach der Auflösung ihres Ursprungsklosters in Ebingen heimlich verehrt und sollte entfernt werden, worauf zwei Nonnen die Gottesmutter auf abenteuerlichen Wegen vor dem Verbrennen retteten und nach Laiz brachten, wo sie seither verehrt wird. Ihr Vorbild stiftete dem Kloster den Namen Maria-Laiz.

Da die Kirche in Laiz früher Dekanatskirche war, wurden hier bis ins 18. Jahrhundert auch die Sigmaringer Pfarrer bestattet, ehe sie Filialkirche wurde.

Mater Dolorosa in Laiz

Laizer Sohn: Prof. Josef Henselmann

Laiz ist auch der Geburtsort des bedeutenden Bidlhauers Josef Henselmann, der Professor und Präsident der Kunstakademie in München war. Seine Werke gelten “in einer 600-jährigen Geschichte sakraler Kunst als die letzten großen Werke ihrer Gattung”. In der Laizer Kirche begegnet man seinem Wirken im Altarstein und einem originellen Deckenfresko.

Im Vorgarten hinter der Kirche steht sein Grabstein, der vom Beuroner Künstlermönch P. Ansgar Dreher geschaffen wurde. Im ehemaligen Laizer Siechenhaus kann man jeden 1. Sonntag im Monat eine Sammlung seiner Werke bewundern. Von Laiz führt der hohenzollerische Jakobsweg weiter nach Inzigkofen und Meßkirch.

Wanderer Im Donautal

Pilgern und Wandern im Sigmaringer Stadtgebiet

Die Stadt Sigmaringen bietet Pilgern und Wallfahrern zahlreiche Möglichkeiten, das Gebet mit den Füßen zu pflegen. Die Stadt ist aber auch Heimat der Premiumwanderwege DonauFelsenLäufe, auf denne man die einmalige Natur an der jungen Donau und in den Nebentälern genießen kann.

Der hohenzollerische Jakobsweg führt von Sigmaringen nach Meßkirch. Hier finden Sie eine Beschreibung des Abschnittes von Inzigkofen nach Meßkirch, wo er in den Beuroner Jakobsweg mündet und weiter an den Bodensee führt. Weitere Informationen gibt es bei der Beuroner Jakobspilger-Gemeinschaft.

Teufelsbrücke Inzigkofen

Fürstlicher Park zu Inzigkofen

Wenn es die Zeit während einer Etappe auf dem Jakobsweg erlaubt, sollte man sich unbedingt den fürstlichen Park in Inzigkofen ansehen. Efeuumrankte Bäume in ungleichmäßiger Wegführung, Bänke, Treppen, steile Gesteinsformationen und die Teufelsbrücke bilden rund um den Amalienfelsen eine einmalige Parkanlage.

Klosterkirche Inzigkofen mit Märzewnbecher

Klosterkirche und Amalienfelsen

Die Gartenkunst wurde von der bis heute verehrten Fürstin Amalie Zephyrine inspiriert, durch deren Einfluss während der Mediatisierung der Erhalt des Fürstentums Sigmaringen-Hohenzollern möglich wurde. Sie lebte im 19. Jahrhundert im ehemaligen Augustinerinnen-Stift, deren Klosterkirche heute zur Pfarrei gehört. Die Klosterkirche von heute wurde 1780 erbaut. Das dazugehörige Augustinerinnen-Chorfrauenstift lebte seit 1412 abgekoppelt von der Pfarrgemeinde in strenger Klausur. Dies hat sich auch in der Architektur des Kirchenraums niedergeschlagen. Er ist so angelegt, dass die Nonnen an den Gottesdiensten teilnehmen konnten ohne gesehen zu werden. Alleine das dazugehörige Gitter an der Empore lohnt bis heute einen Besuch.

Amalienfelsen in der Donau

Kirche Vilsingen

Vilsingen: “Dom auf dem Lande”

Der Weg von Inzigkofen Richtung Meßkirch führt durch ruhige Felder am Waldrand, an deren Ende der Ort Vilsingen auftaucht. Prägnant erhebt sich der Kirchturm aus dem Dorfkern. Er erinnert ein wenig an das Ulmer Münster, weswegen die neogotische Pfarrkirche von den Einheimischen auch „Dom auf dem Lande“ genannt wird. Im Innern trifft man im Altar und an den Seitenwänden auf schön gefasste Heiligenfiguren. Dazu gehören Karl Borromäus mit seiner roten Kardinalstracht oder auch der heilige Meinrad, dem auch eine Einsiedlerkapelle im fürstlichen Park geweiht ist. In Vilsingen gibt es auch noch die alte Pfarrkirche, die als Friedhofskapelle genutzt wird. Sie ist die zweitälteste Kirche Hohenzollerns mit wertvollen Resten von Wandmalereien.

Blick in die Engelswieser Wallfahrtskirche

Wallfahrt zur Mater dolorosa in Engelswies

Drei Kilometer weiter kommen Jakobspilger nach Engelswies. Weithin sichtbar zeigt die gelb bemalte Kirche den Weg zur schmerzhaften Muttergottes, die eingebettet ist in ein einmaliges barockes Ensemble. Die Wallfahrt zur schmerzhaften Gottesmutter von Engelswies ist seit dem frühen 12. Jahrhundert bezeugt. In Engelswies gibt es auch eine starke Verehrung der heiligen Verena, der Schutzpatronin der Pfarrhaushälterinnen. Der Legende nach ist sie einem Hirtenjungen während einer Dürre erschienen und ließ eine Quelle entspringen. Die Engelswieser Verenakapelle liegt ebenfalls am Jakobsweg und lädt zur besinnlichen Rast ein, ehe man weiterpilgert nach Meßkirch.

Kapelle im Wald

Meßkirch: die Stadtkirche und der heilige Heimerad

Über Igelswies, wo man übrigens das Haus der Sängerinnen Anita und Alexandra Hofmann passiert, führt nach Meßkirch. Hier münden der Hohenzollerische Jakobsweg und die Via Beuronensis ineinander. Hoch auf dem Schlossberg steht die Stadtkirche St. Martin. Sie ist weithin sichtbar und zeigt bereits durch ihren Namen an, dass es sich hier um einen traditionsreichen Ort an. Vermutlich wurde der Ort im Frühmittelalter gegründet.

Stadtkirche St. Martin, Meßkirch

Die ältesten Zeugnisse von “Missankirch” stammen jedoch aus der Vita des Ortsheiligen. Der heilige Heimerad folgte Ende des 10. Jahrhunderts von hier aus seinem Pilgerweg nach Jerusalem, ehe er auf dem Hasunger Berg eine Einsiedelei gründete. Im 12. Jahrhundert – nachdem dort ein Kloster gegründet wurde – entstand hier die zweitgrößte Wallfahrt Deutschlands. Heute ist der heilige Heimerad weitgehend unbekannt, aber einige wenige Meßkircher halten sein Andenken hoch, was auch eine Statue in der Stadtpfarrkirche bezeugt. Von Meßkirch aus führt die Via Beuronensis weiter nach Wald, wo sie sich in den Hegauer und den Linzgauer Weg teilt und in zwei Varianten nach Konstanz führt.

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