Das Donaubierland ist Biersüden (7): Flüssiggold braucht Heimat, Zeit und Charakter

1782 / Die Hirschbrauerei in Wurmlingen

Die Hirschbrauerei in Wurmlingen spielt im Biersüden eine besondere Rolle. Sie ist eigentlich mehr Seinswelt als Produktionsunternehmen. Kein Wunder also, dass man sich auch über die kommerziellen Notwendigkeiten hinaus für Vereine, Sport, Kultur und Tourismus engagiert. Gastfreundschaft als Teil des Kulturgutes Bier demonstriert man in der Hirsch Bierwelt. Die Kombination aus Brauereigaststätte und Eventbereich bietet Platz für Bierkultur zwischen Feierabendhalbe und Bier-Menü, Führungen durch die Produktion und Brauseminare auf einer kleinen Anlage im traditionsreichen Ambiente des Bier-Museums. Das “Donaubierland” wurde eigens zum 500jährigen Jubiläum des Reinheitsgebotes kreiert und drückt weit mehr aus, als ein Marketing-Gag für diese Feierlichkeiten zu sein.

Hirsch Bier 500

Unbestritten nimmt Bier an der Jungen Donau in Geschichte und Gegenwart eine herausragende Rolle ein. Querschnitte mit Branchen und Unternehmen wie der Donaubergland Tourismus Marketing GmbH zu suchen, bei denen Marktaktivität und Kulturidentität eine geschwisterliche Rolle spielen, drängt sich förmlich auf.

Donaubergland ist Donaubierland!

Die Verankerung in der Region demonstriert man in besonderer Weise mit der Regionalmarke Donaubierland, die in einer Kooperation der Donaubergland Tourismus Marketing GmbH, der Hirschbrauerei in Wurmlingen, verschiedener Gastronomen und anderer „Bierbetroffener“ kreiert wurde. Dies ist nicht nur eine Tugend aus der Not, weil man im Gegensatz zu anderen Destinationen in Baden-Württemberg keinen Wein anbaut. Mit dieser Initiative signalisiert man die geschichtliche Bedeutung des Bieres und tritt ein für regionale Qualität der Produkte. Die Zusammenarbeit zwischen Produzenten, Politik und Tourismus in der Vermarktung der Aktiv- und Genussregion Donaubergland steht exemplarisch für Querschnitte in der Strategiebildung.

Bierwelt mit Essensgästen

Großen Anklang fanden die Biermenüs in den heimischen Gastronomien.

Während der zentralen Feier anlässlich des 500jährigen Jubiläums des deutschen Reinheitsgebotes in Baden-Württemberg präsentierten die „Brauer mit Leib und Seele“ während ihres traditionellen Weizenbieranstich ihre Qualitätsvorstellungen für regionale Biere. Der vergorene Getreidesud – auch flüssiges Brot genannt – wurde in seiner Vielfalt zur Verkostung angeboten und demonstrierte seine Verankerung als Jahrtausende altes Kulturgut.

Hirsch-Garderobe

Angefangen hat all dies in Wurmlingen, als 1782 der damalige Wirt namens Ludwig Eble aus der Schildwirtschaft eine Brauereiwirtschaft macht. Dieser Schritt verschaffte ihm zügig so viel Anerkennung, dass er von der Abtei St. Blasien als Architekturberater nach Grafenhausen gerufen wurde, um die Gaststätte zum Rothen Haus ebenfalls um eine Brauerei zu erweitern. Entgegen der zeitlich befristeten Verträge behielt man Ludwig Eble kurzerhand als Chefbrauer und Pächter. So entstand die spätere Badische Staatsbrauerei Rothaus. Die noch junge Brauerei in Wurmlingen blieb dennoch bis heute im Besitz der Familie, deren Name durch Heirat oder Verschwägerung von Eble zu Zepf und zu Honer und Lemke wechselte.

Malzsorten_DSC1374-prn

Offen für Gäste im Betrieb

Tradition, Handwerk und Regionalität sind die drei wichtigsten Leuchttürme, um das mittelständische Unternehmen in Zeiten rückläufigen Konsums zukunftsfähig zu halten. Experimentierfreude und Erfindungsreichtum gehören auch dazu. Man sucht laufend nach neuen Bierprodukten und schafft es immer wieder, sogar neue Zielgruppen für das Traditionsgetränk zu gewinnen, die bisher mit Bier wenig am Hut hatten. Wer mehr über die Möglichkeiten vor Ort erfahren will, liest am besten, wo Bier das Gold der Heimat ist

Dieser Artikel gehört zur Serie der Biergeschichten an der Jungen Donau anlässlich des 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes