Flusstalpanorama mit Kloster Die Lebensader Donau im Dreiländerkreis Sigmaringen

Vom Knopfmacherfelsen sieht man nciht nur auf das Donautal und die Erzabtei Beuron, sondern auch auf die Kreisgrenze zwischen Sigmaringen und Tuttlingen

Württemberg, Baden, Hohenzollern

Der Landkreis Sigmaringen wird auch Dreiländerkreis genannt, weil früher die drei Länder Hohenzollern, Baden und Württemberg die Geschicke und Kultur entlag der Durchbruchsdonau und auf den anliegenden Gebieten prägten. Seit der Gründung Baden-Württembergs und der Kommunalreform ist dies zwar Geschichte, doch bis heute stehen die Menschen unter dem Einfluss ihrer Herkünfte. Einen besonderen Schwerpunkt bildet klösterliches Leben, das trotz der rückläufigen Mitgliederzahlen ein wichtiger Bestandteil des Kreises darstellt.

Beuron: das erste Donaukloster

Auch wenn von den einstmals 17 Klöstern nicht mehr alle existieren, spielt das monastisch-klösterliche Leben in Beuron, Wald, Habsthal und Sießen nach wie vor eine tragende Rolle. Wenn man auf dem Donauradweg am Probstfelsen in den Landkreis Sigmaringen radelt oder wandert steht bereits alles im Zeichen des Klosters Beuron, dem ersten der vielen Donauklöster. Es ist das geistliche Zentrum der Region und wurde 1077 von Augustiner-Chorherren gegründet. Sie blieben hier bis zur Säkularisation im Jahre 1803. Sechzig Jahre später wurde das Kloster von Benediktinern wiederbelebt, die dort bis heute wirken. Die Erzabtei Beuron nahm im sogenannten monastischen Frühling einen beispiellosen Aufschwung mit weltweiter Wirkung.

Kapelle im Berghang

Die St. Maurus-Kapelle gilt als Wiege der Beuroner Kunstschule

Die Beuroner Kunstschule

Zahlreiche Neugründungen benediktinischer Klöster in der ganzen Welt gingen von hier aus, aber auch wichtige künstlerische Impulse. Die Patres Desiderius Lenz, Gabriel Wüger, Maurus Krebs oder Willibrord Verkade (um nur wenige wichtige zu nennen) gründeten eine eigene Kunstschule und entwickelten eine stilistisch strenge, an der altägyptischen und byzantinischen Kunst orientierte Formensprache, die in der heraufkommenden Moderne des ausgehenden 19. Jahrhunderts (und für viele bis heute) einen Gegenpol bildete. Die Beuroner Kunstschule hat in den vergangenen Jahren jedoch für neues Interesse erzeugt. Die Wiege dieses Stils steht zwei Kilometer donauabwärts ebenfalls am Donauradweg: die St. Maurus-Kapelle war das erste Werk dieser an biblisch-liturgischen Inhalten ausgerichteten Kunstströmung.

Landschaft und Geschichte

Der Blick auf Beuron ist beispielhaft für den gesamten Kreis. Das Leben im landschaftlichen Charakter aus großen Wäldern, kargen Felsformationen und erhebenden Weitblicken wird geprägt durch die Wechselwirkung von Natur und Kultur. Die meisten Epochen haben hier das Gesicht einer einmaligen Kulturlandschaft mitgezeichnet. Beginnend in der Steinzeit hat die Donau mit den Kelten, den Römern und den Alemannen bereits früh das Gepräge der Region bestimmt, ehe im fränkischen Reich des 8. Jhd. auch die ersten schriftlichen Zeugnisse entstanden. Im gesamten Mittelalter durchziehen zahlreiche Wechsel der einzelnen Herrschaftsgebiete entlang der Donau und der Lauchert, unter denen das habsburgische Vorderösterreich bis ins 19. Jhd. maßgeblichen Einfluss nimmt. Namentlich ragen hier die Donaustädte Mengen und Bad Saulgau heraus.

Musikantenzug

Bürgerwache Mengen, Foto: Reinhard Rapp, © wikimedia/CC 2.5

Der heutige Landkreis Sigmaringen wurde 1973 im Zuge der damaligen Kreisreformen neu gegründet. Er entstand zu ähnlich großen Teilen aus badischen (Meßkirch, Pfullendorf), hohenzollerischen (Sigmaringen, Gammertingen) und württembergischen (Mengen, Bad Saulgau) Gebieten. Die unterschiedlichen Mentalitäten der Menschen sorgen bis heute für eine ungewöhnliche Vielfalt. Sie lädt ein, die Eigenheiten in Brauchtum, Musik, Sehenswürdigkeiten und Persönlichkeiten kennen zu lernen.

Hästräger mit Wurstzigarre

Maske der Dorauszunft

Bunte Röcke in Fasnet, Brauchtum und Musik

Weltweit einmalig ist das Brauchtum entlang der Donau und auf der Zollernalb. Die schwäbisch-alemannische Fasnet, vor kurzem ins immaterielle UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen, dominiert in der fünften Jahreszeit das öffentliche Leben. Aber die „Bürger in bunten Röcken“ halten auch andere Traditionen lebendig. Bei Konzerten, Auftritten, Versammlungen und Festen pflegen die Bürgerwachen, Reitergarden, Spielmannszüge, Theatergruppen, Blaskapellen oder Musikchöre das Brauchtum der Region, das teilweise seit 800 Jahren existiert. Mit Beginn der Fasnet bis tief in den Herbst hinein können Einheimische und Gäste mitfeiern. Die Geschichtsvereine übernehmen heimatkundliche Verantwortung und unterstützen die wissenschaftliche Begleitung.