P1020552 Natur genießen im Naturpark Obere Donau

Die Vermarktungsgenossenschaft des Naturparks Obere Donau (BODEG) wurde mit dem Umweltpreis der Sparkassenstiftung der Landesbank Kreissparkasse ausgezeichnet. Die Kurzbegründung auf der Urkunde lautet: „Kreative Streuobstprodukte für eine höhere Wertschöpfung aus heimischen Streuobstwiesen“.

Dahinter steckt tatsächlich mehr, was man nicht nur am hervorragenden Naturpark Apfelsaft oder Apfelmost-Essig schmecken kann.

Ruhbank auf einer Streuobstwiese

Streuobstwiesen im Naturpark sind nicht zuletzt ein kleines Paradies für Fotografen. Christiane Schneck hat beispielsweise auf ihren Bildern ein altes Ruhebänkle und die Apfelblüte eindrucksvoll eingefangen.

Work-Life-Balance im Naturpark Obere Donau

Bei Streuobstprodukten beginnt die Qualität regionaler Produkte bereits im Boden und wird durch die Pflege der Kulturlandschaft zu einem komplexen Wertschöpfungssystem.

Die Forstwirtschaft-Studentin Samantha Giering hat in ihrer Bachelorarbeit die bis dahin teilweise undokumentierten Fakten zusammen getragen.

Momentan liefern 35 Partner von 1.500 Streuobstbäumen, hierunter 1.200 Apfel- und Birnbäumen, Streuost an die BODEG. Die neue Sortenbestimmung ergab eine beeindruckende Artenvielfalt von alleine 100 Apfelsorten.

Der für Streuobstwiesen typische Verbund mit dem dazugehörigen Grünland bietet eine reiche Struktur. Ökologisch wichtig sind beispielsweise die 500 Baumhöhlen, in denen Vögel, Siebenschläfer, Hornissen und andere Arten nisten können. Dabei geht es nicht um Naturromantik.

Bei der Nutzung des Streuobstes spielen die Bewohner eine entscheidende Rolle. Die Vögel in diesem Lebensraum sorgen durch das Fressen von Schädlingen dafür, dass dieses Ökosystem pestizidfrei bewirtschaftet werden kann.

Blick in Naturladen mit Streuobstwiese-Produkten

Das Haus der Natur bietet nicht nur Apfelsäfte und -essige, sondern auch Filz- und Imkerprodukte an.

In Zukunft Potentiale fördern

Für die Menschen bedeutet das: Bewahrung alter Kulturlandschaften als Arbeits- und Erholungsgebiet und qualitativ hochwertiges Obst. Die Potentiale sind noch lange nicht ausgeschöpft.

Samantha Gierings Arbeit dient auch der Erforschung der Nutzungseignung. So will man in Zukunft die Produktion sortenreiner Destillate oder weiterer Essig-Variationen voranbringen.

Dies ist auch für die Obstbauern attraktiv, denn die BODEG bezahlt pro Doppelzentner vier Euro über dem jahresüblichen Marktwert.

Faire Preise für landwirtschaftliche Betriebe, die Streuobstwiesen unterhalten

Das kann je nach Ertrag einen Aufpreis von 100% oder mehr ausmachen. Im Sinne wirtschaftlicher Vernunft unterliegt die BODEG aber auch einigen Zwängen

Einerseits muss man auf dem Markt mit vielen Billigprodukten bestehen, andererseits müssen aber auch Gewinne erwirtschaftet werden, um die Kosten und Investitionen finanzieren zu können.

Dies funktioniert immer besser, denn Verbraucher sind zunehmend bereit, für regionale und naturbelassene Produkte den entsprechenden Wert zu bezahlen.

Es bleibt also zu hoffen, dass das Bewusstsein für Natur-Produkte weiter steigt und kreative Produzenten die Palette der Angebote weiter entwickelt.

Der Naturpark Obere Donau zwischen Naturschutz und Freizeitraum

Gratwanderung ist keine Freizeitdisziplin im Donautal, aber für die Verantwortlichen im Naturpark Obere Donau das tägliche Brot. Sie sollen die per Gesetz vorgegebene Balance zwischen Naturschutz und Erholungslandschaft umsetzen.

In den geduldigen Verordnungen klingt das sogar recht simpel, bedeutet aber für die Beteiligten vor Ort häufig den Versuch der Quadratur des Kreises. Denkt man sogar an eine flächendeckende Umsetzung, entsteht aus Begriffen wie Naturschutz und Besucherlenkung leicht eine Verbotsmentalität.

Doch im Grunde ist das Gegenteil der Fall: “Naturschutz bedeutet”, erklärt Geschäftsführer Bernd Schneck, “dort Erholung für die Allgemeinheit zu gewährleisten und Bedürfnisse zu befriedigen, wo dies sinnvoll möglichst ist und nur dort einzuschränken wo sich Probleme ergeben”.

Im Naturpark Obere Donau: “Immer auch den Andern sehen”

Für die Harmonie von Naturschutz und Erholungsnutzen sind zwei Faktoren grundlegend: Ruhe und Naturnähe. Es gibt hierfür praxis-erprobte Methoden, mit denen die Balance gehalten oder hergestellt werden kann.

Da ist zunächst einfach die räumliche Trennung von sich ausschließenden Naturräumen und menschlichen Bedürfnissen, heißt konkret: ein Grillplatz wird nie auf einem Areal angelegt werden, das seltene Orchideenarten beheimatet.

Wozu auch? Ein anderer Weg ist die konzentrierte Nutzung. Beispielhaft hierfür steht die Auswahl von Felsen, an denen geklettert werden darf. So werden Felsbrüter und alpine Pflanzen geschützt und Klettern ermöglicht.

Zugleich die Infrastruktur entlastet, wenn nicht an allen Felsen Parkplätze, Einstiege und Routen gepflegt oder Rettungskräfte ausgebildet werden müssen. Die dritte Möglichkeit besteht in der zeitlichen Steuerung.

Die Gestattung zum Bootfahren in der Saison zwischen 9.00 und 18.00 Uhr schützt Brutzeiten und den Genuss der Kanuten. “Es ist sicher noch nicht alles in Butter2, gibt Bernd Schneck zu, “aber wir arbeiten an vielen Themen weiter”.

Das heiße Eisen heiße Öfen

Wenn es um Lärm geht, kommen Musik und Motoren in den Fokus. Dass in einer beruhigten Landschaft auf den Booten oder in den Zeltcamps keine laute Musik gehört werden darf, liegt eigentlich nahe.

Schwieriger wird es bei den Motoren. Hier sind häufig die Motorräder Stein des Anstoßes. Dennoch sind keine Pauschalurteile möglich.

Beispiel: Nicht getunte und sinnvoll benutzte Zweiräder sind leiser als PKWs. Differenzierung ist also unerlässlich, sonst gehen zu strikte Verbote wegen diverser Rowdies zu Lasten einer verantwortungsbewussten Mehrheit.

Manchmal sind auch die bestehenden Verordnungen ungeschickt erlassen worden. Hier will der Naturpark helfen, indem er eine Brücke zwischen den Menschen vor Ort und den Behörden schlägt.

Eine gute Möglichkeit ist hierfür der Kontakt mit dem Ranger Markus Ellinger. Er und das gesamte Naturpark-Team sind laufend draußen und können Schwächen und Lücken konkret identifizieren.

Als Ansprechpartner vor Ort vermitteln sie auch zwischen den Einzelinteressen der Natur-Urlauber, die untereinander zuweilen auch Konflikte austragen. Um weiterhin Entwicklungen voranzubringen, ist es am hilfreichsten, immer auch den Andern sehen zu lernen.

Weitere INformationen gibt es direkt beim Naturpark Obere Donau.

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