“Immer auch den Andern sehen”

Der Balanceakt zwischen Naturschutz und Erholungslandschaft

Gratwanderung ist keine Freizeitdisziplin im Donautal, aber für die Verantwortlichen im Naturpark Obere Donau das tägliche Brot. Sie sollen die per Gesetz vorgegebene Balance zwischen Naturschutz und Erholungslandschaft umsetzen. In den geduldigen Verordnungen klingt das sogar recht simpel, bedeutet aber für die Beteiligten vor Ort häufig den Versuch der Quadratur des Kreises. Denkt man sogar an eine flächendeckende Umsetzung, entsteht aus Begriffen wie Naturschutz und Besucherlenkung leicht eine Verbotsmentalität, doch im Grunde ist das Gegenteil der Fall: „Naturschutz bedeutet“, erklärt Geschäftsführer Bernd Schneck, „dort Erholung für die Allgemeinheit zu gewährleisten und Bedürfnisse zu befriedigen, wo dies sinnvoll möglichst ist und nur dort einzuschränken wo sich Probleme ergeben“.

Wie werden Ruhe und Naturnähe ermöglicht?

Für die Harmonie von Naturschutz und Erholungsnutzen sind zwei Faktoren grundlegend: Ruhe und Naturnähe. Es gibt hierfür praxis-erprobte Methoden, mit denen die Balance gehalten oder hergestellt werden kann. Da ist zunächst einfach die räumliche Trennung von sich ausschließenden Naturräumen und menschlichen Bedürfnissen, heißt konkret: ein Grillplatz wird nie auf einem Areal angelegt werden, das seltene Orchideenarten beheimatet. Wozu auch? Ein anderer Weg ist die konzentrierte Nutzung. Beispielhaft hierfür steht die Auswahl von Felsen, an denen geklettert werden darf. So werden Felsbrüter und alpine Pflanzen geschützt, das Klettern ermöglicht und zugleich die Infrastruktur entlastet, wenn nicht an allen Felsen Parkplätze, Einstiege und Routen gepflegt oder Rettungskräfte ausgebildet werden müssen. Die dritte Möglichkeit besteht in der zeitlichen Steuerung. Die Gestattung zum Bootfahren in der Saison zwischen neun und 18.00 Uhr schützt Brutzeiten und den Genuss der Kanuten. „Es ist sicher noch nicht alles in Butter“, gibt Bernd Schneck zu, „aber wir arbeiten an vielen Themen weiter.“

Das heiße Eisen heiße Öfen

Wenn es um Lärm geht, kommen Musik und Motoren in den Fokus. Dass in einer beruhigten Landschaft auf den Booten oder in den Zeltcamps keine laute Musik gehört werden darf, liegt eigentlich nahe. Schwieriger wird es bei den Motoren. Hier sind häufig die Motorräder Stein des Anstoßes. Dennoch sind keine Pauschalurteile möglich. Beispiel: Nicht getunte und sinnvoll benutzte Zweiräder sind leiser als PKWs. Differenzierung ist also unerlässlich, sonst gehen zu strikte Verbote wegen diverser Rowdies zu Lasten einer verantwortungsbewussten Mehrheit. Manchmal sind auch die bestehenden Verordnungen ungeschickt erlassen worden. Hier will der Naturpark helfen, indem er eine Brücke zwischen den Menschen vor Ort und den Behörden schlägt. Eine gute Möglichkeit ist hierfür der Kontakt mit dem Ranger Markus Ellinger. Er und das gesamte Naturpark-Team sind laufend draußen und können Schwächen und Lücken konkret identifizieren. Als Ansprechpartner vor Ort vermitteln sie auch zwischen den Einzelinteressen der Natur-Urlauber, die untereinander zuweilen auch Konflikte austragen. Um weiterhin Entwicklungen voranzubringen, ist es am hilfreichsten, immer auch den Andern sehen zu lernen.