Schloss Werenwag: Herrensitz und Dichterheimat

Wenn man auf dem Donauradweg, dem HW 2 des Schwäbischen Albvereins oder dem Donau-Zollernalb-Weg von der Festung Wildenstein kommt: spätestens jetzt ist man im Burgenland an der Jungen Donau und erkennt, dass auch die Menschen im Mittelalter einen Riecher für die schönsten Flecken der Erde hatten. Und bis heute erhebt sich im wahrsten Sinne des Wortes majestätisch das Schloss Werenwag oberhalb von Langenbrunn über dem Durchbruchstal. Die Schlösser und Burgen waren immer auch Inspiration für Künstler in allen Zeiten.

„D‘r Wärewag“, wie die Burg von Einheimischen genannt wird, ist bis heute im Besitz des Hauses Fürstenberg und wird phasenweise von Erbprinz Max und seiner Familie bewohnt.

Dort wo auf hohen Bergesrücken / Viel alte Burgruinen stehen / Zum Schrecken bald, bald im Beglücken / Zum jungen Strom herniedersehen, / Da hört ich einst im Blüthenhag / Die Nachtigall von Werawag

Diese Gedichtstrophe von Louise Otto besingt in lyrischer Weise das Burgenland Beuron im 19. Jahrhundert. Es spielt auch auf die Sangesstradition im Mittelalter an, bei der ein Abkömmling des Geschlechtes derer von Werenwag ein gewichtige Rolle spielt.

Handschrift mit Illumination

Hugo von Werenwag im Codex Manesse, Abb.: Unibibliothek Heidelberg/wikimedia

Hugo von Werenwag

Im 12. Jahrhundert entstand die Tradition des Minnesangs. Ihre Vertreter zogen von Burg zu Burg, um ihre Kunst vorzutragen. Das Who is Who dieser Kunstgattung findet sich im sog. Codex Manesse, einer mittelalterlichen Liedersammlung, deren berühmtester Vertreter Walther von der Vogelweide sein dürfte. Einer dieser Minnesänger aus dieser Handschrift ist Hugo von Werenwag, der ebenfalls den Weg des Minnesängers gegangen ist. Deren Aufgabe bestand nicht nur darin, die Herren und ihr Gefolge zu amüsieren. Die Minne – das Wort bedeutet Liebe – war auch eine moralische Botschaft, welche für Liebe warb. Gemeint war damit die Beziehung der Menschen zu Gott und untereinander. Unter den Menschen wurde sie in sozialer, karitativer, freundschaftlicher, erotischer und sexueller Hinsicht besungen.

Es geht um Liebe

Dieses liebevolle Gedenken in der Liebeslyrik kam zur damaligen Zeit einem kleinen Kulturbeben gleich, denn geheiratet wurde damals aus strategischen Überlegungen zur materiellen Expansion oder des Machtzuwachses. Stattdessen sollten Ritter in feudaler Gesinnung um ihre Angebetete werben und ihr zu Diensten sein. Ob es sich dabei um feudale Handlungsweisen handelte, nur geistig-literarische Erbauung in der höfischen Kultur oder doch eher um die Eroberungsstrategien der Minnesänger selbst, ist historisch bis heute nicht geklärt. Doch die Gäste im Donautal können sich bis heute vom Zauber dieser Verschmelzung von mittelalterlicher Architektur und bezaubernder Landschaft umgarnen lassen.