Schwäbisches Streuobstparadies: 7 Top-Themen für die Zukunft

Aroma erriechen im Schwäbischen Streuobstparadies

Einblicke in die Vereinsarbeit um Geschäftsführerin Maria Schropp

Das Schwäbische Streuobstparadies ist mit über 1,5 Millionen Obstbäumen die größte Streuobstwiesenregion Mitteleuropas. Die Interessenträger und Verantwortlichen der Kommunalverwaltungen haben einen Verein gegründet, um diese einmalige Landschaft zu erhalten und durch eine starke Markenbildung einheimische Produkte und touristische Angebote besser zu vermarkten.

Destillateure im Schwäbischen Streuobstparadies

Mehr Informationen erhalten Sie auf der Website des Schwäbischen Streuobstparadies: Das Paradies brennt

Achtung Brandstiftung!

Eines dieser touristischen Angebote trägt den Titel “Das Paradies brennt”. In dieser Veranstaltungreihe haben die Teilnehmer die genussvolle Chance, mehr über das Destillieren von Obst zu erfahren. Die Schnupperkurse auf Topniveau bieten Einblicke in die Eigenarten der Brennkunst und die Brandstifter genannten Destillateure umrahmen Lehrreiches mit Kulinarischem und/oder Kulturellem. Ein geistreiches Angebot, das sich über sechs Landkreise erstreckt, in denen das Schwäbische Streuobstparadies zu Hause ist.

Das erste Eigenprodukt: Apfelchips aus dem Streuobstparadies

Das erste Eigenprodukt: Apfelchips aus dem Streuobstparadies

Faszinierende Sortenvielfalt

Zur Erhaltung des Streuobstparadieses gehört natürlich auch Aufklärungsarbeit. Viele wissen wenig über die Bedeutung des Landstriches nördlich des großen Traufs der Schwäbischen Alb. Dabei ist die Region auch von wesentlicher landwirtschaftlicher, kultureller und geschichtlicher Bedeutung. Zum Bestand gehören jedoch nicht nur alte und katalogisierte Sorten.

Immer wieder entstehen auch neue Sorten, die Zufallssämlinge (siehe Video). Die Vielfalt der Sorten zeigt sich auch im ersten Eigenprodukt, den Streuobst Apfel-Chips. Mit Kardinal Bea, dem Glockenapfel, Gewürzluike, Schöner aus Boskoop und Brettacher haben einige der besonderen Sorten Eingang in das Gemeinschaftsprodukt gefunden.


Maria Schropp erzählt über die Entstehung von Zufallssorten (1 Min.)

Zertifizierung ist nicht alles

Zertifizierte Bio-Qualität ist nicht unbedingt das entscheidende Kriterium bei der Etablierung hoher Erzeugerpreise. Streuobstwiesen können mit wichtigen Grundkenntnissen und einfachen Mitteln ohne Kunstdüngung oder chemische Hilfsmittel biologisch erzeugt werden. Das lässt sich auch mit eigenen Standards und Selbstverpflichtung verhältnismäßig leicht herstellen. “Viel wichtiger für uns wäre eine gesetzliche Verpflichtung, die Herkunft der Rohstoffe auszuweisen.” Mit einfachen Grundkenntnissen könnten Verbraucher dann schnell eine persönliche Einordnung treffen.

Lohnt sich Streuobstanbau?

Die Gründung des Schwäbischen Streuobstpardieses ist auch aus einer gewissen Bedrohungslage motiviert. Für die Bewirtschaftung traditioneller Wiesen fehlt immer häufiger die Nachfolge und auch die Wirtschaftlichkeit ist je nicht immer attraktiv. In Jahren mit Höchsterträgen wie z.B. 2014 sinken die Erzeugerpreise bei der Ablieferung in Großkeltereien für konventionelles Streuobst auf bis zu 2,50 € für 100 kg.

Es gibt aber auch ganz andere Wege und Strategien. Die Manufaktur Jörg Geiger beispielsweise benötigt spezielle Obstarten, die sortenrein angeliefert bis zu 70,00 € pro 100 kg erzielen.

Wie kann man im Streuobstparadies mitmachen?

Es gibt zahllose Wege ins Streuobstparadies. Eine Möglichkeit stellt der Beitritt in einen örtlichen Obstbauverein. Dort werden häufig Parzellen verwaltet und an die Mitglieder verpachtet. Darunter sind auch kleinere Stücke mit wenigen Bäumen, auf denen man mit Hilfe einer Kelterei eigenen Bio-Apfelsaft trinken und unabhängig sein von den Saftkonzentraten aus dem Supermarkt werden kann. Bei einem Gütle mit fünf bis zehn Bäumen liegt der jährliche Arbeitsaufwand bei etwa 25 h für Mahd, Schnitt, Ernte und Lieferfahrten in die Kelterei.

Oft stellen die Vereine sogar die Arbeitsgeräte zur Verfügung und das Schneiden der Bäume kann man in Kursen bei der Volkshochschule oder in Naturschutzzentren lernen. Der erzeugte Bio-Saft liegt dann etwa bei 0,70 bis 0,90 € pro Liter. Saft in vergleichbarer Qualität zu kaufen würde einen Literpreis von etwa 2,00 € bedeuten. Neben der Freude an der Gartenarbeit leisten solche Pächter auch einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft im Schwäbischen Streuobstparadies.

Das Streuobstparadies im Frühjahr: eine blühende Landschaft

Linktipp: Die Streuobstparadies-Wiesenbörse

Trotz aller Tradition bietet sich natürlich an, das Internet für die Vernetzung unter den Beteiligten zu nutzen. Für Informationen und vor allem für kostenlose Inserate wird online die Streuobstwiesen-Börse aufgebaut. Dort kann man Anliegen wie die Suche nach Obst oder einer Pacht platzieren oder auch Dienstleistungen anbieten wie Baumschnitt oder Vortragstätigkeiten. Die Anzeigen sind nach Landkreisen geordnet. Hier sind die Inserate für Baden-Württemberg.

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie über das Schwäbische Streuobstparadies.

Die Recherchen wurden durch eine Einladung zu einer Pressereise der Tourismus BW Marketing GmbH und das Schwäbisches Streuobstparadies unterstützt.

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