Kulturlandschaft zwischen Kaiserbergen, Neckar und Albtrauf

Alblandschaft

Die Drei Kaiserberge bei Göppingen

Sechs Landkreise sind beteiligt

Das Streuobstparadies als starke Ansammlung von Streuobstwiesen zu bezeichnen, wäre eine beschämende Verkürzung. Die über 1,5 Millionen Bäume, die nördlich des Albtraufs zwischen Balingen und Göppingen wachsen, begeistern gerade wegen der kulturellen Bedeutung für den einzigartigen Landstrich. Denn die Vielfalt der Obstsorten beginnt schon bei der Vielfalt der Böden. Nicht jede Obstsorte wächst auf jedem Boden. Dennoch bietet das Schwäbische Streuobstparadies eine einzigartige Vielfalt an Obstsorten, deren Bestimmung viel Kenntnis benötigt. Als besondere Kulturlandschaft steht das Streuobstparadies für einen Kreislauf, der im Boden beginnt und sich bei der vielseitigen landwirtschaftlichen, gastronomischen und touristischen Verwertung wieder schließt. Der Streuobstphilosoph August Kottmann geht sogar noch weiter: “Jeder Mensch is wie ein Apfel”, sagt er. Und meint damit die Unförmigkeit und die Geschmacksvielfalt, die Früchte und Menschen gleichermaßen unterscheidet.

Obstkörbe mit verschiedenen Sorten

Einfache, aber effektive Streuobst-Pädagogik: Originale zum Anfassen und Riechen im Bastkörble mit Zettele

FFH-Vielfalt

Die Vielfalt der Obstsorten ist das eine, Vielfalt gilt aber auch für die gesamte Pflanzen- und Tierwelt: Kräuter, Wiesen, Felder, Brachflächen durchziehen die Landschaft ebenso wie Pferdekoppeln, Kuh-, Schaf- oder Ziegenweiden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Vogelschutz. Das dient nicht nur der Erhaltung von Brut- und Nistplätzen, sondern die Vögel liefern auch einen Beitrag zum Pflanzenschutz, weil sie sich von Insekten ernähren, die dem Obst schaden könnten. So einfach geht es dann ohne Gift. Und immer wieder stößt man auf alte Schutzhütten, Scheunen oder Schöpfe inmitten der Hügellandschaft, die das Bild auflockern.

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Preisgekrönte Landschaftsschützer

Das Schwäbische Streuobstparadies treibt nicht nur zahllose Obstbauern, Gastronomen, Kelterer und Wissenschaftler um, sondern auch den Schwäbischen Heimatbund. Als Stifter des Kulturlandschaftspreises ist der Verein stets dran am Thema Streuobst und seine Nutzung im Zusammenspiel mit Landschaftspflege, Naturschutz, Pädagogik und Nutzungskultur. Der heute durch seinen Einsatz für die Champagnerbratbirne und seine Obstschaumweine bekannte Jörg Geiger war 2001 der erste Preisträger des Kulturlandschaftspreises im Schwäbischen Streuobstparadies.

Wegweiser mit rotem Apfel

Das “Streuobsterlebnis Herrenberg” wurde 2015 mit dem Kulturlandschaftspreis ausgezeichnet.

“Gesamtkunstwerk”

2015 ist mit dem Bürgerprojekt Streuobsterlebnis in Herrenberg wieder eine Streuobst-Initative unter den Preisträgern. Bernd Langner, Geschäftsführer des Schwäbischen Heimatbundes weiß als Kunsthistoriker sparsam mit hochtrabenden Begriffen umzugehen, aber bei den Schwäbischen Streuobstwiesen spricht er unumwunden von einem “Gesamtkunstwerk”. Diese heimatliche Landart beginnt bei der (Auf-)Zucht alter Obstsorten und geht über die Baum- und Bodenpflege einen langen Weg bis hin zur hochqualitativer Verwertung und sinnenstarker Wissensvermittlung in einer kultivierten Landschaft, die ohne diese Bewirtschaftung und Pflege ganz anders aussehen würde. Und dennoch wirkt sie so natürlich, als würden nicht Hunderte von Regisseuren hinter den Kulissen ihre Finger im Spiel haben, um über 1,5 Millionen Darsteller – sprich Streuobstbäume – zu einem Chor im Rhythmus der Natur zu formen.

Blühende Bäume

Streuobstwiesen am Mössinger Albtrauf, © Foto: SSOP

Dieser Artikel ist entstanden in Zusammenarbeit mit unseren Kommunikationspartnern: Tourismus BW Marketing GmbH, Schwäbische Alb Tourismus und Schwäbisches Streuobstparadies. Hierfür herzlichen Dank. Dieser Artikel ist Teil unserer Serie über das Schwäbische Streuobstparadies.