Heuneburg, Unlinger Reiter und Blick auf Bussen Heuneburg: Bekenntnis des Landes zur Keltenkonzeption

Lange musste sich der Sigmaringer Landtagsabgeordnete Klaus Burger mühen, bis Tourismus- und Europa-Minister Guido Wolf die Einladung ins Freilicht-Keltenmuseum Heuneburg annehmen konnte. Als er dann kam, war der Zeitpunkt jedoch nahezu perfekt. Bereits in der Begrüßung kam er auf den Punkt: das Bekenntnis des Landes Baden-Württemberg zum Keltenprojekt und zur Heuneburg steht, so der Kabinettsbeschluss aus der vergangenen Woche. “Ich will mich persönlich in der Landesregierung im Rahmen meiner Möglichkeiten für das Keltenprojekt einsetzen”, sagte Guido Wolf den Anwesenden seine Unterstützung zu. Damit einher gehen soll die Einbindung in die Tourismuskonzeption des Landes Baden-Württemberg. Nach aktuellem Stand sind dort die Digitalisierung und das touristische Marketing die dringlichsten Themen. Auf Landesebene würde dies für die Heuneburg in erster Linie bedeuten, an das Auslandsmarketing der TMBW angebunden zu werden. Landrätin Stefanie Bürkle sagte ebenso ihre Unterstützung zu wie Gerhard Lutz, der gemeinsam mit Wirtschaftsförderin Anja Brauner die Gemeinde Herbertingen vertrat. Wie, in welchen Strukturen und mit welchem Etat ist derzeit noch offen.

Tourismus-Minister Guido Wolf und Delegation auf der Heuneburg Austausch vor Ort zur Keltenkonzeption (v.l.): Annika Ahrens (Wirtschaftsministerium), Anton Bischofberger (Vors. Förderverein), Prof. Dirk Krausse (Landesdenkmalamt), Landrätin Stefanie Bürkle, Minister Guido Wolf MdL, Klaus Burger MdL, Baudirektor Hermann Zettler, Gemeinderat Herbert Lutz, Tourismus-Referentin Anja Brauner und Museumsleiter Klaus Haller

Heuneburg Donautor Die Donau spielt eine herausragende Rolle für die Heuneburg und die Kelten.

Verschmelzung von Wissenschaft, Naturschutz und Tourismus

“Die” Heuneburg ist kein Ort im üblichen Sinne, zumindest kein Einort. Die Heuneburg ist letztlich vielmehr eine Kult- und Landschaftsarchitektur. Dies machte der wissenschaftliche Leiter Prof. Dirk Krausse vom Landesdenkmalamt deutlich. Denn die Heuneburg – oder das vom griechischen Historiker Herodot erwähnte Pyrene – verteilt sich über mehrere Erhebungen im einstigen Gletschergebiet am Rand der Schwäbischen Alb. Die Heuneburg direkt am Kamm zur Donau bei Hundersingen stellt dabei nur den aktuell sichtbaren Teil dar. Dazu gehören aber auch die Grabanlagen in westlicher Nachbarschaft, die Alte Burg in Langenenslingen, der Bussen und andere Orte, die eine Art Landschaftsgeometrie bilden, die aus den topographischen Bedingungen durch die Kelten entwickelt wurde. Aber auch von unten ist noch viel zu erwarten. “Die Kelten bauten die Heuneburg auf dem Schutt der Vorgängerbauten auf”, erläuterte Prof. Krausse.

Heuneburg Lehmziegel Luftgetrocknete Lehmziegel gehören zur historischen Bausubstanz der Heuneburg

Heuneburg von der DOnau aus Die Heuneburg liegt in direkter Nachbarschaft zur renaturierten Donau

“Die Heuneburg ist das Einfallstor der Zivilisation”

Prof. Dirk Krausse erläuterte den Gästen die Bedeutung der Heuneburg. Zivilisatorische Meilenssteine der Hausbau oder Keramik von der Drehscheibe nahmen hier ihren Anfang. Dass die Heuneburg ausgerechnet hier entstand, hat nicht nur mit der Landschaft zu tun, wohl aber mit der Donau. Man geht davon aus, dass die Donau um 500 v.Chr. viel weiter flussaufwärts schiffbar war als heute. Dieser Gedanke liegt schon deshalb nahe, weil die Donauversickerung der Donau zu dieser Zeit noch keine spürbaren Wassermassen entzog. Die Heuneburg war eine Art Verkehrsknotenpunkt, auf dem Menschen und Handelswaren von Osten her kommend weiter über die Schwäbsiche Alb zu Neckar und Rhein transportiert wurden oder über die Alpen in Richtung Spanien. Die Ausbreitung der Kelten war weiträumig über Mittel- und West-Europa verteilt.

Heuneburg

Herrenhaus Heuneburg

Annika Ahrens, Klaus Burger, Guido Wolf, Dirk Krausse Die aktuellen Ausstellungsräume sind beengt.

Keine Schriftkultur auf der Heuneburg

Die Kelten waren an sich kein einheitliches Volk. Je nach Definition in sprachlicher, ethnologischer oder archäologischer Hinsicht variiert das Verständnis. Wie Prof. Krausse auch ausführte, gibt es aus und zur Keltenzeit keine schriftlichen Überlieferungen zur Heuneburg mit Ausnahme der Erwähnung von Pyrene durch den antiken Zeitgenossen Herodot. Guido Wolf formulierte zur Museumskonzeption eine Forderung: “Zur Erlebbarkeit von Geschichte gehört auch, das Originalfunde am Originalort verbleiben und in attraktiven Ausstellungen präsentiert werden”. Zur Dezentralisierrung gehören auch Virtual Reality-Animationen, die es partiell bereits gibt und in denen die Ausmaße und Formen der von den Kelten geschaffenen Kult-, Lebens- und Landschaftsarchitektur überhaupt erst vorstellbar werden. Aus ihnen wird deutlich, dass die Heuneburg eine Metropole war, in der sehr viele Menschen lebten. Einen kleinen Einblick in die Lebenskultur und auch in die Erlebbarkeit dieser schriftlosen Kultur gab Museumsleiter Klaus Haller, der mit nur einem Funken aus einem Feuerstein, etwas Zunder und gekonnter Luftzufuhr ein Strohbündel zum Brennen brachte. “Sehen Sie, nun haben Sie mir schon zwei Minuten zugehört, obwohl ich gar nichts gesagt habe”, so Haller zu seiner kleinen Lehrstunde.

Anfachen eines Strohbündels Museumsleiter Klaus Haller ließ den Funken nicht nur symbolisch überspringen.

Wohnmobile und E-Biking sollen helfen, Besucher zu bringen

In der anschließenden Gesprächsrunde strich Klaus Burger die Bezüge zu den anderen touristischen Leuchttürmen in der Region heraus. Nicht nur angesichts des Hotelmangels in der Geschichts- und Aktivregion an der Jungen Donau hoffen die Verantwortlichen auf einen Schub durch Wohnmobilisten. Bereits jetzt nutzen Urlauber auf vier Rädern immer wieder den Parkplatz für eine Übernachtung vor Ort. Die Möglichkeit, mit überschaubaren Mitteln die Infrastruktur zu verbessern, unterstreicht auch Museumsleiter Klaus Haller: “Ein Wohnmobilstellplatz wäre nicht das Schlechteste”. Er würde die bestehenden Stellplätze in Langenenslingen, Riedlingen, Bad Buchau oder an den Zielfinger Seen ergänzen. Und was vor kurzem noch als mehr oder weniger utopisch wahrgenommen wurde, ist heute schon Realität. Die Anbindung an den Donauradweg ist durch die Durchsetzungswelle des E-Bikings einfacher denn je geworden. In ehrenamtlichen Projekten wie der ÖkoRegio Tour “Oberschwäbische Donau” besteht auch bereits eine Anbindung an den Fahrradtourismus.

E-Bike vor Heuneburg #donau_up: Mit Pedelecs und E-Bikes können die Höhenzüge der Donau auf der ÖkoRegio Tour erradelt werden.

Kommentar

Das Fazit muss lauten: Die “Keltenfrage” in Oberschwaben und Europa stellt eine große Herausforderung dar. Wesentlichen Einfluss bei der Weichenstellung erhalten zweifelsohne die Grabungsergebnisse. Hier dürfte unter der Spitze des Keltenberges noch so manche Sensation schlummern. Klar ist: so bewundernswert es ist, dass die Begeisterung um Prof. Krausse, Klaus Haller und die Ehrenamtlichen für steigende Besucherzahlen sorgt, so klar ist auch, dass aus wissenschaftlicher und touristischer Sicht mit den aktuellen Mitteln auf Dauer keine Bäume ausgerissen werden können – weder zum Wohle der Wssenschaft noch zur kulturellen Erlebbarkeit noch zur touristischen Wertschöpfung. Hier sind also die Regierungen gefordert, durch Geld-, Sach- und Personalmittel den Sockel zu bereiten für eine zweifelsohne erlebnis- und lehrreiche Zukunftsperspektive im ländlichen Raum. Alle föderalen Ebenen zwischen Herbertingen und Brüssel sollten an diesem dicken Brett mitbohren. Die Zeichen dafür stehen gut. Nicht zu vergessen ist dabei auch die Rolle der Ehrenamtlichen. Sie mitzunehmen, sollte ein wichtiges Anliegen werden, denn sie sind nicht nur nützlich und kreativ, sondern stellen auch die regionale Seele dieses Jahrhundert-Projektes. Stefan Blanz