Schloss SIgmaringen Brauerei Zoller-Hof Geschichte Brauerei Zoller-Hof, Sigmaringen: über Friedrich, Fritz, Frederick und Fred

1845: Die Brauerei Zoller-Hof wird gegründet

Gerne denkt man bei Zoller-Hof an das Sigmaringer Schloss mit seiner imposanten Gestalt auf dem Donaufelsen und an die fürstliche Familie der Hohenzollern. Auch wenn man im guten Einvernehmen lebt und Zusammenhänge bestehen, war und ist die Brauerei Zoller-Hof ein Familienunternehmen, das seit 1845 eigene Wege zu gehen weiß.

Ein Beispiel hierfür ist das hauseigene Zündappmuseum, mit dem der Kultmarke ein einzigartiges Denkmal gesetzt wurde. Dennoch treibt das Unternehmen eine Geschichte um, die man beispielhaft für die Entwicklung von Bieren und Marken für neue Märkte vorstellen kann. Wer heutzutage neue Sorten erfinden will und in seine Geschichtsbücher schaut, kann auf inspirierende Folien stoßen.

Zuendapp mit Bierfass-Anhänger in der Brauerei Zoller-Hof

Von Friedrich, Fritz, Frederick und Fred

Die Vorgeschichte: Die Fürstenfamilie der Hohenzollern-Linie betrieb im 19. Jahrhundert im Schloss Sigmaringen eine eigene Hofbrauerei. Kurz nachdem Carl Fidelis Graf vor den Toren der Stadt die heutige Brauerei Zoller-Hof gründete, berief der letzte amtierende Fürst Karl Anton 1849 den aus Riedlingen stammenden Braumeister Friedrich Müller ans „Bierkäschtle“.

Sigmaringen und die Brauerei Zoller-Hof werden preußisch

1850 war es mit der fürstlichen Autonomie vorbei. Überall in Hohenzollern wurde von den Kanzeln verkündet: “Erstens: Wir sind ab heute preußisch. Zweitens: Wir haben es um unserer Sünden willen nicht besser verdient.” Die Ländereien der Zollern aus der Sigmaringer Linie wurden Preußen eingegliedert und hießen als preußischer Regierungsbezirk fortan “Hohenzollerische Lande”.

Für dass Bier-Image war dieser bis heute etwas skurril wirkende Vorgang wenig schädlich, denn Preußen war nicht zuletzt dank des “Alten Fritz” bierfreundlich. Schließlich war der Regent selbst ein gelernter Brauer und die Geschichtsschreiber werden nicht müde zu betonen, dass ihm daswahrlich nicht geschadet habe..

Friedrich Müller goes America

Dennoch verließ der Sigmaringer Brauer Friedrich Müller aus Riedlingen wie viele andere das Land. Das hatte meist weniger politische Gründe, sondern war der Not dieser Zeit geschuldet. Also schloss er sich der Auswanderungswelle in Richtung Amerika an. In der neuen Welt landete er in Milwaukee und hieß von nun an Frederick Miller.

Nachdem er sein erstes Geld verdient hatte, kaufte er eine alte, aufgelassene Brauerei und gründete die “Milwaukee Brewery”. Diese ist nicht sonderlich bekannt, bekannter hingegen ist der Großkonzern Miller Brewery, den er aufbaute.

Seine Brauerei wurde der zweitgrößte Bierproduzent der Welt und wurde 2015 von der größten Brauerei Anheuser-Busch geschluckt und es kam zur Megafusion und SABMiller mit seinen “global beers”.

Zurück zu den Wurzeln: “It’s a long way home to Old Wurttemberg”

“The Beer Castle of Sigmaringen”

Die Ursprünge wurden 1955 im brauereieigenen Imagefilm “The Beer Castle of Sigmaringen” von der Miller Brewery beworben. Garniert mit Swabian Canyon-Panorama des Donautals wurde versucht, eine (geschäftliche und) politische Brücke zwischen Old Europe und New World zu schlagen.

Auf die geschichtlichen Fakten nahm man allerdings im Nachkriegsdeutschland wenig Rücksicht. Das Schloss ist im Film ein zünftiger Bierkeller mit singenden Mädchen und Fässer rollenden Trachtenträgern.

Heute: die Brauerei Zoller-Hof greift den Faden auf

Heute amüsieren sich die meisten über Anachronismen. Die Brauerei Zoller-Hof hat aber einen Weg gefunden, die Tradition von Friedrich Müller aufzugreifen. Mit Kreativität und Authentizität nimmt sich Zoller-Hof dieser Geschichte an.

Im Konzept wechselseitiger Regionalität versucht die Sigmaringer Brauerei, mit der neuen Sorte “Old Fred” an diese Geschichte zu erinnern und sich sogar auf dem amerikanischen Markt zu positionieren. Man setzt dabei auf die regionale und geprüfte Qualität der Zoller-Hof-Brauerei, die in typischen Ale-Flaschen angeboten wird.

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Für die Region und weit über diese hinaus

Die Privatbrauerei Zoller-Hof gehört zu den Sehenswürdigkeiten in Sigmaringen. Sie macht die Fürstenstadt zu einem vielseitigen Ausflugsziel. Nördlich vom Hohenzollern-Schloss gelegen, ist die Brauerei Zoller-Hof ideales Ziel in den Donauauen, die durch gepflegte Freizeiträume zu einem grünen Stadtspaziergang und Besuch der Brauerei einladen.

Hier fand der Gründer Fidelis Graf 1845 im brauereieigenen Brunnen kristallklares Wasser und damit eine ganz wichtige Lebensader für die künftige Bierherstellung. Die einstige Gasthausbrauerei durchlief eine 170-jährige Entwicklung zur mittelständischen Privatbrauerei, die zunehmend auch international aufgestellt ist.

Holzbierkiste der Brauerei Zoller-Hof

An der Donau zu Hause

Die Verwurzelung in der Region wird auch andernorts geschätzt. So wird heute das Brenzkofer Dunkel, ein mahagonibraunes, aromatisches Bier mit leichtem Schoko-Malz-Bouquet und gehaltvollem Körper von Bierliebhabern im Donautal genau so gerne getrunken wie im französischen Pierrefontaine les Blamont.

Deutsches Bier im Ausland ist eben auch ein Stück deutsche Wertarbeit, die international den besten Ruf genießt. Die handwerklich gebrauten Biere aus Sigmaringen gewinnen nicht nur Jahr für Jahr beste Preise bei den verschiedenen Qualitätswettbewerben, sondern sind auch auf vielen internationalen Messen eine Spezialität „Made in Germany“.

Fassanstich

Aus der Region für die Region

Erfahrung, ausgesuchte Rohstoffe und handwerkliche Braukunst sind und bleiben die besten Zutaten für die Bierspezialitäten aus dem Donautal. “Aus der Region – für die Region”, das ist der Leitsatz der Erzeugergemeinschaft Zoller-Hof, in der die Brauerei zusammen mit dem Landhandel Stauss und ca. 40 Landwirten seit 2006 engagiert ist.

So kann Zoller-Hof den anspruchsvollen Bedarf an Gersten- und Weizenmalz für die Brauerei sicherstellen. Der Einsatz von kontrolliertem, gentechnikfreiem und zertifiziertem Saatgut, die Berücksichtigung der Richtlinien der nachhaltigen Landwirtschaft und eine lückenlose Dokumentation sämtlicher Maßnahmen sind dabei die zentralen Eckpfeiler dieses besonderen Einkaufskonzeptes.

Vom feinherben Pils über das würzige Export oder das frische Zwickel bis zum leichten Weizen werden damit die beliebtesten Biere für die Region gebraut.

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Zu Gast an der Sudpfanne in der Brauerei Zoller-Hof

Zoller-Hof lädt ein zu verschiedenen Programmen, bei denen man den Brauern über die Schultern schauen, die Bierspezialitäten verkosten und das Zündappmuseum besichtigen kann. Die einmalige Atmosphäre rund um die Donaubiere, ihre Kultur und historische Highlights aus der Industriekunst sind ein Hochgenuss.

Zündapp-Museum Sigmaringen

Einmalig: das Zündapp-Museum

Zwischen der Brauereigaststätte Zoller-Hof und dem Sudhaus, dem Herz der Brauerei, ist seit 2008 das Zündapp-Museum untergebracht. Neben Brauereiführungen können hier Besucher auch die mittlerweile weltweit größte Sammlung an Exponaten der Kultmarke bestaunen und Einblick in die wechselhafte Geschichte des einstigen Vorzeigeunternehmens deutscher Industriekunst gewinnen.

Adolf Mattes aus Königsheim, ein akribischer Sammler aus der Region machte diese Ausstellung in den Anfängen erst möglich – die Brauerei gab ihm dafür zwischen kupfernen Kesseln und leckeren Maultaschen eine museale Heimat, die auch für Nicht-Biker interessante Einblicke gewährt. Selbstredend, dass dazu erst ein frisch gezapftes Bier Kunst und Kult(ur) mit allen Sinnen erlebbar macht.

Dieser Artikel gehört zur Serie der Bierregion Junge Donau.

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